In seinem Roman 1984 beschrieb der britische Autor George Orwell einst das Neusprech. Mit dieser rhetorischen Technik definieren Machthaber politische Begriffe so um, dass sie für die Bürger eine neue Bedeutung erhalten. Linguisten streiten darüber, ob das funktioniert. Mit dem "Neoliberalismus" aber scheint genau das geschehen zu sein.

Der gängigen Polemik zufolge wollen Neoliberale den Staat zerstören und grenzenlose Freiheit für die Wirtschaft. Der Begriff ist zum Synonym für unsoziales Denken geworden, also nennt sich heute kaum noch ein Politiker "neoliberal".

Das Gegenteil wollten die Schöpfer dieser Denkrichtung erreichen. Neoliberale und Ordoliberale (wie die deutsche Spielart hieß) wollten sich nach dem Zweiten Weltkrieg gerade vom "Laisser-faire-Liberalismus" des 19. Jahrhunderts abgrenzen. In der Mont Pelerin Society (gegründet von Friedrich August von Hayek) betonten Ökonomen wie Wilhelm Röpke und Walter Eucken den Zusammenhang zwischen politischer und wirtschaftlicher Freiheit. Sie forderten eine starke Rechtsordnung, die den Wettbewerb fördert und Monopole verhindern. Dieses Denken wurde dann Grundlage für die Soziale Marktwirtschaft.

Später entwickelten sich radikalere Denkrichtungen, die auch dem Neoliberalismus zugeordnet wurden: beispielsweise die Chicago School des Milton Friedman. Zentral für viele wirtschaftsliberale Ökonomen von heute sind aber immer noch die Werke von Hayek, die sich um den Begriff der "Freiheit" drehen. PIN