Norbert Hansen?

Und wenn so ein Aufstieg ein Fluch ist? Sogar der Kioskfritze vor seiner Wohnung hat ihn neulich gefragt, ob er jetzt in eine Villa nach Grunewald ziehe. In der Bahn haben sie ihn angerempelt, ob er glücklich sei mit seiner Kohle. Und dann dieser Brief aus Bochum. Eine IG-Metall-Gruppe warf ihm vor, die Gewerkschaft verraten zu haben.

All diese lästigen Ideologen.

Norbert Hansen nimmt eine Gabel Rührei. Er hat seine Sekretärin einen knappen Gruß zurückschreiben lassen, dazu eine Liste mit IG-Metallern in leitenden Positionen.

Es ist ein sonniger Morgen, als Hansen im Garten des Berliner Cafés Einstein sitzt. Unter seinem weißen Hemd guckt das Unterhemd heraus; er trägt ein dunkles Sakko. Als Vorstandsmitglied eines der weltgrößten Konzerne müsse er sich natürlich jetzt anders bewegen, sagt er. Am Revers steckt ein kleines goldenes DB-Emblem. Hartmut Mehdorn, sein neuer Chef, hat es ihm zum 40. Dienstjubiläum geschenkt. Hansen mag Anstecknadeln. Als er noch an der Spitze der Bahn-Gewerkschaft Transnet stand, ließ er seine gesamte Mannschaft die Gewerkschaftsnadel tragen.

Fast sein ganzes Leben hat Hansen, 56, für die Sache der Arbeiter gekämpft. Seit knapp 100 Tagen ist er Arbeitsdirektor der Bahn.

Sein neues Büro ist hoch oben im 23. Stock des gläsernen Bahntowers. "Für einige bin ich nun eine Reizfigur", sagt Hansen. Er weiß, er muss vorsichtig sein. Noch bevor er bei der Bahn angefangen hatte, gab er der Bild ein Interview. "Wir werden weiter rationalisieren müssen", sagte er, "und das wird nicht ohne Personalabbau gehen."