Sonnenschein in Puy Saint Martin, Südfrankreich. Ein großer Garten, von einem Gärtner umsorgt, schmiegt sich an Häuser, die in früheren Jahrhunderten Schäferhütten waren. Heute wohnen darin Barbara und Wolfram Siebeck. Das Schloss Mahlberg bei Freiburg, der Siebecksche Hauptwohnsitz, bleibt kühleren Jahreszeiten vorbehalten.
Erhabene Stille am Rande der Provence, weiß geflügelte Schmetterlinge flattern über die Terrassen, die zum Anwesen gehören. Auf einer sitzt Wolfram Siebeck braun gebrannt und begrüßt die Redakteure mit großer Behaglichkeit. Dann geht’s erst mal, bevor das Interview beginnt, zum Mittagessen in den schattigen, wohltuend kühlen Innenhof, der von einem früchteschweren Feigenbaum dominiert wird.
Barbara Siebeck richtet an: Salat und Wachteln und Weißwein. Die Wachteln seien etwas trocken geraten, sagt sie entschuldigend. Eine glatte Lüge: Wolfram Siebeck lässt es sich ohne Murren schmecken. Die Redakteure auch.

ZEITmagazin: Herr Siebeck, wann hat Ihnen eigentlich jemand zum ersten Mal gesagt, dass Sie Hemingway zum Verwechseln ähnlich sehen?

Siebeck: Als mein Bart weiß geworden ist, also vor zehn Jahren.

ZEITmagazin: Wir führen das Interview zu Ihrem 80. Geburtstag und möchten daher nicht nur über Essen sprechen, nicht nur über Ihre Kritiken und grandiose Köche…

Siebeck: …sondern über das ganze Leben? Einverstanden.

ZEITmagazin: Können Sie uns Ihre frühesten Kindheitserinnerungen schildern?

Siebeck: Ich erinnere mich daran, dass meine Eltern mit mir wieder und wieder umgezogen sind, weil mein Vater ständig auf Jobsuche war. Ich wurde in Duisburg geboren, aber ich war noch in den Windeln, da gings schon nach Essen, Bochum und so weiter. Wissen Sie was? Eigentlich müsste mir heute ein ganzes Imperium gehören mit Privatjet und tausend Angestellten, aber nichts da: Mein Vater hat das ganze Kapital der Familie vernichtet.