Die Kulturbrüche nehmen kein Ende. Seit Wochen mulmt es durch den Blätterwald, dass die Autokennzeichen ihre Ortskürzel verlieren sollen. Und zwar warum? Man fasst es kaum. Damit kein Idiot mehr am Steuer wegen der Herkunft seiner Karre diskriminiert werden kann! Diskriminierung wegen Haarfarbe, Brille, Geschlecht oder Hut soll also gestattet bleiben. Nur der Ort, der einzig wirklich statistisch signifikante Hinweis auf autofahrerisches Unvermögen, soll getilgt werden. Ja, Herrschaftszeiten! Wenn ich in München unterwegs bin, muss ich doch wissen, ob der Golf GTI, der hinter mir drängelt, aus FFB (Fürstenfeldbruck) stammt, damit ich gegebenenfalls demütig rechts ran fahren und anhalten kann, bis der wahnsinnig gewordene Provinzprolet mit seiner Blondinentussi vorbeigegast ist! Oder soll ich mich in Berlin auf ein Ampelduell mit einem rechtsradikalen PM (Potsdam-Mittelmark) einlassen, der mich nachher gewalttätig ausbremst? Oder in Hamburg, wenn die Diskos schließen, wäre es da nicht verkehrstechnisch sinnvoll, den Pinneberger (PI) auf Speed rechtzeitig zu erkennen, der die Verfolgung in Schlangenlinien aufnimmt, weil er mich irrtümlich für seinen Dealer hält? Die Ortskürzel sind wertvolle Infos, die keineswegs auf Ressentiments, sondern langjährigen Erfahrungen beruhen! In Frankfurt am Main wird jedem Zugezogenen die Gefährlichkeit der Offenbacher (OF) sofort eröffnet, aber die viel größere Bedrohung durch den Main-Taunus-Kreis (MTK) muss man erst über die Jahre hinweg erkennen lernen, von Hanau (HU) ganz zu schweigen. OF, das sind harmlose Hartz-IV-Empfänger, die gar nicht die Knete haben, ihre Schrottkisten zu tunen. Aber HU oder MTK! Da sitzt Sohnemann hinter dem Steuer von Papis Benz, den er in dieser sternenübersäten Nacht zum ersten Mal heimlich aus der Garage geholt hat, um Melanie zu beeindrucken. Oder vielleicht sogar die Silke aus der Parallelklasse! Und das ist alles noch nichts gegen MIL (wir wissen nicht mal, was sich dahinter verbirgt), denn MIL verbreitet Furcht und Schrecken auf allen süddeutschen Autobahnen. Oder WAF, was wahrscheinlich die Ortstarnung einer Leasingfirma darstellt, die alle betrügerischen Versicherungsvertreter zu ihren Kunden zählt, die kurz nach der Wiedervereinigung in ganz Ostdeutschland auf Dummenfang gingen. Nein, Kinder! Die Ortskürzel müssen bleiben, wir hätten sonst gar nichts mehr zu fürchten, und Furcht ist bekanntlich die Mutter des Überlebens im Straßenverkehr. Finis