Wer leidet nun an dieser Situation? Als Erstes die Angestellten dieser Banken, die arbeitslos werden. Zweitens leiden schon seit Monaten Millionen Amerikaner auf das Schwerste; sie versuchen, ihre Häuser zu verkaufen, die hoch mit Hypothekenschulden belastet sind und schnell an Wert verlieren. Drittens leiden die Konsumenten, weil infolge der enormen Geldschöpfung durch die Zentralbanken die Preise steigen; das wird in geringerem Ausmaß auch die Europäer und sogar die Chinesen treffen. Viertens werden diejenigen leiden, die voraussichtlich in der realen Wirtschaft arbeitslos werden. Fünftens leiden die Steuerzahler, die letzten Endes die Zeche zahlen, weil sie für die Rettung der Banken aufkommen müssen.

Wie tief die Vertrauenskrise reichen wird, hängt davon ab, ob die Bürger Amerikas und Europas von den politisch und wirtschaftlich Handelnden den Eindruck bekommen: Die kriegen es in den Griff! Es geht dabei um kurzfristige, mittelfristige und langfristige Maßnahmen.

Kurzfristig muss ein Kollaps des Finanzsystems verhindert werden. Notwendig ist eine Kooperation zwischen der Federal Reserve Bank in Washington, der Europäischen Zentralbank (EZB), der chinesischen, japanischen und russischen Zentralbank und der Führung der Opec. Wünschenswert wäre ein baldiges Gipfeltreffen der Chefs dieser Zentralbanken und der in diesen Ländern zuständigen Finanzminister. Bitte nicht der Regierungschefs, die alle wenig davon verstehen!

Mittelfristig ist es eine der wichtigsten Notwendigkeiten, die Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft zu beseitigen, die das bisherige System erst möglich gemacht haben und derzeit die Gefahr einer Weltwirtschaftskrise vergrößern. Die amerikanische Leistungsbilanz ist seit Jahren hochdefizitär, weil die Amerikaner nicht sparen, sondern es gewohnt sind, sich zu verschulden. Das gilt für den einzelnen Bürger, das gilt vor allem für den Staat USA. Dahinter steckt der bis heute ungebrochene Grundoptimismus der amerikanischen Gesellschaft. Das Defizit der US-Leistungsbilanz lag zuletzt zwischen fünf und sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Seit mindestens einem halben Jahrzehnt lässt sich die amerikanische Gesellschaft ihre Investitionen und ihren Konsum zu fünf, sechs oder sieben Prozent von Ausländern bezahlen, von Chinesen und Japanern, von Europäern und Russen.

Auf der anderen Seite steht die Anhäufung von Schuldscheinen in den Händen dieser Ausländer, Schuldscheine im Wesentlichen des amerikanischen Staats, niedrigverzinsliche Staatspapiere. Die Chinesen könnten mit diesen Papieren Politik machen, indem sie drohen: Wir verkaufen sie. Das werden sie wahrscheinlich nicht tun; aber sie können damit Rohstoffquellen einkaufen – das tun sie schon, in Afrika und Zentralasien beispielsweise. Die Chinesen könnten sogar zu Rettern amerikanischer Banken werden, indem sie die gescheiterten Investmentbanken und Fonds aufkaufen und so das amerikanische System stützen. Die Amerikaner werden das nicht gerne sehen und versuchen, es zu verhindern.

Ebenso ist es notwendig, den Finanzverkehr Regeln und Sicherheitsstandards zu unterwerfen. Als Charles Lindbergh 1927 über den Atlantik flog, brauchte er keine Verkehrsregeln. Er brauchte auch kein Pilotenexamen abzulegen, sein Flugzeug wurde von keiner Behörde abgenommen. Er war ganz allein, er brauchte keine Ausweichregeln, niemand schrieb ihm die Flughöhe vor.