Da lag er schon wieder daneben. Nach der Pleite von Lehman Brothers sprach Bundesbankpräsident Axel Weber die Zuschauer der Tagesthemen mit der Erwartung in den Schlaf, "dass wir etwas ruhigere Bahnen in den nächsten Tagen sehen".

Das war am Montag vergangener Woche. Die ruhigeren Bahnen sahen so aus: Havarie des US-Versicherungsgiganten AIG, weltweite Börsenturbulenzen, wilde Preissprünge bei Gold und Öl, ein Verbot von Leerverkäufen von Finanzaktien und als Paukenschlag der US-Rettungsplan von historischem Ausmaß.

Die Deutschen können nur hoffen, dass ein anderer Satz ihres Bundesbank-Präsidenten mehr Bestand hat. "Eine Sorge um die Stabilität des deutschen Finanzsystems oder der deutschen Bankenwelt ist überhaupt nicht gerechtfertigt", sagte Weber.

Die Stabilität ist nicht akut bedroht – es knirscht aber im Gebälk. Von Dienstag an werden die Zahlenmenschen in den deutschen Banken und Versicherungen wieder rechnen – und in der Summe wahrscheinlich wieder einige Milliarden abschreiben müssen. Am Dienstag endet das dritte Quartal, Stichtag für die Bewertung unzähliger Wertpapiere.

"Deutschland wird sich der Verschärfung der Krise nicht entziehen können", sagt ein Spitzenbanker in Frankfurt. "In den nächsten Monaten und vielleicht Jahren", warnte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag, werde die Finanzkrise die deutsche Wirtschaft prägen. Für diesen Donnerstag ist ein Treffen von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) mit den Spitzen der Kreditwirtschaft geplant. In Aufsichtskreisen gebe es durchaus Sorgen um die Stabilität einzelner Institute, heißt es inoffiziell.

Bislang haben Unternehmen und Selbstständige keine Probleme, für ihre Vorhaben Kredit zu bekommen. Obwohl die Finanzkrise schon seit Sommer 2007 tobt, lagen die Darlehen zur Jahresmitte sogar um neun Prozent über dem Vorjahresniveau. Anders als die Investmentbanken der Wall Street, deren Absturz die Welt mit Schrecken verfolgt, sind die hiesigen Banken stark im Geschäft mit Privatkunden und Unternehmen – und damit grundsätzlich stabiler. So sind die Sparkassen dank Millionen von Kleinsparern nicht darauf angewiesen, sich Geld zu leihen. "Es ist eindeutig ein Stabilitätsvorteil, dass ein Teil der Banken nicht vom Kapitalmarkt abhängig ist", sagt der Münchner Ökonom Bernd Rudolph.

"Die gegenwärtige Krise ist doch der Beweis, dass Regulierung nichts nützt"

Doch nun kommen neue Belastungen auf die Banken zu. Allein die Lehman-Pleite kann die BayernLB beispielsweise bis zu 300 Millionen Euro kosten, auch der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) droht ein Verlust im "unteren dreistelligen Millionenbereich". Die Deutsche Bank, immerhin, hatte vor der Pleite alle Lehman-Positionen ohne Verlust abgewickelt. Dass das größte deutsche Geldhaus dieses Jahr wie geplant mit einem Gewinn abschließen kann, wird trotzdem zunehmend bezweifelt. So hat die Deutsche Bank noch 24,5 Milliarden Euro Kredite von Firmenübernahmen in den Büchern – Forderungen von zunehmend zweifelhaftem Wert.