Das Finanzzentrum – erschüttert. Drei der größten Banken – verschwunden. Traditionshäuser – pleite. Mehrere kleine Finanzinstitute hatten zuvor schon aufgeben müssen, doch was nun geschah, übertraf die Vorstellungskraft vieler Menschen.

Es war eine harte Zeit. Damals, in Florenz. Zwischen 1343 und 1346 machten dort die drei größten Finanzdienstleister der damaligen Welt Bankrott. Die Pleitiers waren im 14. Jahrhundert die mächtigsten Bürgertumsfamilien in Florenz: die Bardi, die Peruzzi und die Acciaiuoli. Sie besaßen riesige multinationale Konzerne. Sie waren Teilhaber der Florentiner Textilmanufakturen und -handelshäuser, hatten Filialen an allen wichtigen Handelsplätzen der christlichen Welt – und betrieben das Geldgeschäft fast nebenbei.

Florenz war im 13. Jahrhundert zu Europas Finanzplatz Nummer eins aufgestiegen. Der seit 1252 geprägte Goldflorin, die örtliche Währung, war die härteste jener Tage. Im Handel wie auch in der Finanzwirtschaft eroberten die Florentiner Spitzenpositionen: Um 1300 überholten sie die flämische Konkurrenz im Textilgeschäft, im Jahr 1307 dann ließen sie den bisherigen Marktführer im internationalen Zahlungsverkehr hinter sich: den Ritterorden der Templer.

Diese Beschützer der Jerusalempilger nahmen es mit ihrem Armutsgelübde ähnlich ungenau wie mit ihrem Keuschheitsschwur. Sie waren ebenfalls im Finanzgeschäft aktiv und hatten, wenn man so will, den Travellerscheck erfunden – einzahlen in Westeuropa, Bargeld beziehen in Jerusalem. Sie wurden reich und mächtig. Bis der französische König sie in einer nie gesehenen Polizeiaktion zerschlug und 54 Templer auf Scheiterhaufen enden ließ.

In dieser Zeit gewann die Geldwirtschaft gegenüber der Naturalwirtschaft an Bedeutung. Im Hundertjährigen Krieg ab 1337 setzten Könige erstmals im großen Stil Söldner ein, die sie in bar (und mit dem Freibrief zum Plündern) entlohnten, während zuvor hauptsächlich Ritter aufgrund ihrer Feudalpflichten die Kriege ausgetragen hatten. Solche Kriege, aber auch eine immer aufwendigere Hofhaltung zwangen die Territorialherren, sich mit Finanzfachleuten zu umgeben. Adlige waren sich zu gut dafür, daher übernahmen Bürgerliche wie die Florentiner Kaufleute diese Aufgabe, Parvenüs, die nicht von den altmodischen Ehrenkodizes des Adels am Abzocken gehindert wurden. Der Frühkapitalismus des 14. Jahrhunderts war ein ebenso entfesselter wie der Kapitalismus heutiger Tage: mächtige Monopole und Oligopole, Spekulationsblasen, Streiks (unter anderem in der Florentiner Textilindustrie), die erste Arbeiterrevolution (der Ciompi-Aufstand von Florenz, 1378 bis 1382), spektakuläre Konkurse.

Ein Schuldenberg so groß wie ein Königreich

1343 wurde Edward III. zahlungsunfähig. Der englische König, seit 1337 im Krieg mit Frankreich engagiert, stand bei den beiden größten Florentiner Handelshäusern mit 1,5 Millionen Florin in der Kreide – und war schuld an deren Untergang. So hat es der Chronist Giovanni Villani überliefert, als ehemaliger Peruzzi-Gesellschafter, der selber in einen Konkurs verwickelt war, indes kein ganz unbefangener Zeitzeuge. 1,5 Millionen Florin, das war immerhin ein Haufen Geld. "So viel, wie ein Königreich wert ist", schrieb Villani. Oder mehr, als die gesamte florentinische Textilindustrie mit ihren 30000 Arbeitern in einem Jahr umsetzte.