Es ist nicht leicht, mit 35,9 Milliarden Dollar nur Gutes zu tun. Das mussten Bill und Melinda Gates im vergangenen Jahr feststellen. Viele Tausend Kinder hatten sie in Nigeria gegen Polio und andere Keime impfen lassen. Doch die Kinder hatten noch ein anderes Gesundheitsproblem als ansteckende Krankheiten. Viele von ihnen atmeten Tag für Tag die Abgasschwaden von Ölplattformen ein, die ihre Atemwege krank machten. Die Anlagen gehörten der italienischen Ölfirma Eni. Und damit hatte die Gates Foundation ihren ersten Skandal.

An Eni war nämlich zu jener Zeit auch der Gates Foundation Trust beteiligt. Das ist die Einrichtung, die die von Gates gestifteten Milliarden anlegt. Um sie zu mehren. Um noch mehr Gutes tun zu können. Was in diesem Fall völlig danebenging. Reporter der Los Angeles Times deckten die Geschichte damals auf und stießen sogar noch auf zusätzliche ethisch fragwürdige Ölinvestments der Stiftung.

Erst nach massiver Kritik änderte der Gates Foundation Trust etwas. Aus einer ähnlich problematischen Investition im Sudan zog sich die Stiftung unauffällig zurück – ob die Beteiligung an Eni noch besteht, ist unklar.

Die Bill & Melinda Gates Foundation machte sich in ihren ersten Jahren schnell durch ihre humanitäre Mission einen Namen. Welche Folgen ihr gewaltiges Stiftungsvermögen im Guten wie im Schlechten wirklich hat, ist schwer zu sagen. Das Bild war geprägt durch Auftritte von Bill und Melinda Gates im Kreise armer Kinder in Indien oder in Afrika. Doch im Stillen hat sich die private Hilfsorganisation in einen Weltverbesserungskonzern mit problematischer Strategie verwandelt.

Die Bill & Melinda Gates Foundation ist ein bisher einmaliges Experiment. Sicher, die Zahl wohlhabender Menschen wächst auf der Welt, und viele stiften lieber oder spenden ihr Geld, als dass sie es dem Staat überlassen. In den USA erreicht das Spendenaufkommen jährlich etwa zwei Prozent des Bruttosozialprodukts, viel mehr als in Deutschland, wo es nur etwa 0,13 Prozent sind. Doch nie war ein Projekt so generalstabsmäßig organisiert. Und nie waren die eingesetzten Finanzmittel so gewaltig wie bei der Gates Foundation aus Seattle in den Vereinigten Staaten: Zu den 35,9 Milliarden Dollar des Stifterpaares kommt Stück für Stück das Vermögen des Investors Warren Buffett hinzu, des reichsten Mannes auf der Erde. Damit wird sich das Stiftungskapital noch mehr als verdoppeln.

»Wir müssen bereit sein, in großen Dimensionen zu denken«

Die Gates Foundation betreibt Entwicklungshilfe. Doch sie tut dies, als wäre sie ein riesiges Unternehmen in der freien Wirtschaft; als wehe auch hier der Geist von Microsoft, jenem Softwarekonzern, den Bill Gates einmal gegründet hat. Anfang September erst ging es damit wieder einen Schritt weiter. Der Microsoft-Manager Jeffrey Raikes löste die bisherige Geschäftsführerin Patty Stonesifer ab. Stonesifer galt als gute Seele der Stiftung und verdiente für ihr Engagement nur einen Dollar pro Jahr. Raikes, der zugab, er fürchte sich vor dem Anblick der Misere in Afrika, leitete bisher die Microsoft Business Division. Er wird auf dem Posten ein Managergehalt noch unbekannter Höhe erhalten.