Gern mal 100 Liter Sprit nimmt sich der gewöhnliche Formel-1-Renner pro 100 Kilometer zur Brust. Dafür kommen auch locker zwei Kilogramm vom Klimakiller CO2 hinten raus. Pro Kilometer. Der neue Golf bescheidet sich in seiner klimafreundlichsten Version mit 99 Gramm CO2.

Gar nicht fein und gar nicht cool wirkt da das Rennbusiness – zumal in Zeiten, in denen der Bürger vor dem Zubettgehen die Netzteile in seiner Wohnung auf unnützen Stromverbrauch kontrolliert. Das findet auch die werbende Wirtschaft, von der die Formel 1 lebt. Das hat jetzt Folgen. 2009, hat der Ausrichter FIA beschlossen, startet die »grüne Formel 1«.

Die F1-Boliden sollen einen Hybridantrieb bekommen. Den haben Alltagsautos von Toyota schon länger, und die anderen großen Autobauer führen die Technik soeben ein. Beim Bremsen sammelt das Hybridsystem Bewegungsenergie, bevor sie als Wärme verpuffen kann. Das spart Sprit, normalerweise. In der Formel 1 wird es für noch mehr Wumms sorgen.

Von März 2009 an könnten einige F1-Autos einen Knopf mehr am Lenkrad haben – den Boost-Knopf. Wer den drückt, dem gibt Kers, das Kinetic Energy Recovery System, schlagartig einen ordentlichen Energieschub. Der Powernachschlag kann ausgangs einer Kurve nützlich sein, beim Überholen oder auf der langen Geraden. 82 Booster-PS dürfen es laut Reglement sein, und sie können für insgesamt gut sechs Sekunden pro Runde mobilisiert werden.

Der Extraschub könnte die Formel 1 für die Zuschauer lustiger machen. Grüner wird der Rennsport nicht, denn auf dem Ring wird das Eingesparte gleich wieder verheizt. Trotzdem könnte die grüne Welle in der Formel 1 helfen, Sprit zu sparen, und zwar im Alltag, auf der Fahrt zum Arbeitsplatz oder zum Supermarkt. Denn Kers wird die Entwicklung innovativer und leichter Hybride mit besserem Wirkungsgrad beschleunigen, auch für Jedermann-Autos. FIA-Chef Max Mosley hat den Rennställen zwar die Bremsenergie-Rückgewinnung nahegelegt, nicht aber vorgeschrieben, wie sie zu erreichen ist. Die F1-Entwickler, von jeher extrem fix (und mit exorbitanten Etats ausgestattet), arbeiten schon an zwei oder gar drei verschiedenen Techniken.

BMW Sauber lagert die Bremsenergie in Batterien. Die Spannungen, die dabei auftreten, sind nicht gerade zu vernachlässigen. Neulich lachten Hunderttausende YouTube-Nutzer über ein Video, das einen BMW-Mechaniker zeigt, der sich einem Kers-Testfahrzeug nähert. Als er das Chassis berührt, schickt ihn ein elektrischer Schlag mit Wucht zu Boden. Beim Konkurrenten Red Bull gab es schon Feuer unterm Dach, weil eine der ausgesprochen heiklen Kers-Hochleistungsbatterien heiß gelaufen war.

Argwöhnisch beäugt wird derweil der Versuch von Williams, statt heikler Batterien eine seit der Antike bekannte und robuste Energiespeichertechnik einzusetzen: das Schwungrad. Es speichert Energie, indem es rotiert. Bremst man das Rad, wird die Energie wieder frei. Dieser leistungsfähige Speicher befeuerte immer wieder die Fantasien der Ingenieure. Doch stets wurden einschlägige Projekte beerdigt – etwa bei Nahverkehrsbussen. Und ungefährlich ist das Ganze auch nicht: Zuletzt verwandelte eine wild gewordene Schwungscheibe eine Fertigungshalle in den Niederlanden in Schutt und kostete einen Mitarbeiter das Augenlicht.