Jeder Jurastudent kennt die dicke Gesetzessammlung "Schönfelder". Matthias Waibl entwirft bunte Taschen, mit denen sich das drei Kilo schwere Werk besser über den Campus tragen lässt

DIE ZEIT: Herr Waibl, zusammen mit Ihren beiden Mitbewohnerinnen stellen Sie Taschen für den "Schönfelder" her. Kann man das Buch nicht einfach in einen Rucksack stecken?

Matthias Waibl: Ja, das kann man, aber das ist sehr unpraktisch. Der Schönfelder ist eine Gesetzessammlung, die man als Jurastudent besonders in den höheren Semestern fast täglich braucht. Das Buch ist drei Kilo schwer und sehr empfindlich, da es aus losen Blättern besteht, die dort eingeheftet werden. Viele tragen den Schönfelder deshalb in grauen Pappkartons umher, in denen er ausgeliefert wird – und sind stets auf der Suche nach der optimalen Tasche.

DIE ZEIT: Ihre Idee ist also nicht neu?

Waibl: Es gibt bereits Taschen, etwa aus Leder und mit Reißverschluss, aber die sehen nicht besonders gut aus. Manche behelfen sich auch mit einer Kindertasche namens Rirarutsch aus einem Drogeriemarkt, weil sie dieselben Maße wie der Schönfelder hat. Im vergangenen Jahr habe ich zu meiner Mitbewohnerin Sarah gesagt: Das muss doch auch schöner gehen. Und dann hat sie mir etwas Schöneres genäht. Nun verkaufen wir die Taschen auf www.gesetzesglueck.de.

DIE ZEIT: Die Taschen sind bunt. Jurastudenten gelten als konservativ. Passt das zusammen?

Waibl: Ach, das ist doch nur ein Klischee: Innerhalb eines Jahres haben wir 200 Taschen verkauft. Und gern genommen werden Modelle, auf denen Motive zu sehen sind wie Herzchen oder ein Kleeblatt. Unsere Kunden sind hauptsächlich Frauen. Muster wie Blümchen sind für Männer nichts, deshalb gibt es für sie Exemplare mit gedeckteren Farben. Gut angekommen ist auch eine Tasche namens "Juristengrau" – sie war außen grau und innen rosa.

DIE ZEIT: Mittlerweile haben Sie das erste Staatsexamen hinter sich und stehen im Referendariat. Haben Sie da noch Zeit zum Nähen?