Schon in der Schultüte steckt heute oft eine teure Spielkonsole statt Schokolade. Und auch zum Abschluss gibt’s noch mal etwas extra und gerne auch etwas mehr. Zum Abi eine Digitalkamera, ein Auto oder eine Reise nach Australien? Der Schulabschluss schlägt bei vielen Familien Geburtstag und Weihnachten, in manchen Schulen herrscht ein regelrechtes Wettrüsten unter Eltern und Schülern. Wer kriegt wie viel, wohin geht die Reise, wie teuer ist das Auto? Da wird selbst der Notendurchschnitt zur Nebensache.

Manchmal gibt es auch einen Joint

Vor 50 Jahren war der Abschluss selbst noch Geschenk genug. Schließlich hatten die Eltern ihren Nachwuchs lang genug unterstützt. "Jetzt kannst du endlich für dich selbst sorgen. In den letzten Jahren mussten wir auf so viel verzichten", bekam zu hören, wer kurz nach dem Krieg die Schule beendete. Wenn es schon Geschenke gab, dann von bleibendem Wert: der Füller, die Uhr, der Brockhaus für die erste eigene Regalwand im Studentenheim. Was schon zu Wirtschaftswunderzeiten ein Klassiker war, ist auch heute noch beliebt. Nur ist es statt des Federhalters der Laptop, und den Brockhaus gibt’s lieber auf CD. Doch immer noch gilt: Nach dem Lernen ist vor dem Lernen. Deshalb schenken Eltern heute oft einen Studiumsgutschein, schließlich wollen die neuen Studiengebühren auch bezahlt werden. Welcher Vater denkt schon so wie der 68er, der seinem Sohn zum Abi eine selbst gebastelte "Schultüte" schenkte, samt illegalem Inhalt von holländischen Hanfplantagen?

Dann schon eher Geld. In der Grundschule zahlten die Großeltern schließlich auch fünf Mark für jede Eins auf dem Zeugnis. Allerdings sollten die Geldgeschenke nicht zu einfallsreich verpackt sein. So kam letztes Jahr ein Abiturient aus Oberhausen dank eines Geschenks seiner Oma gar mit dem Gesetz in Konflikt: 100 Euro in einer Glückwunschkarte. Er bezahlte damit und landete prompt bei der Polizei. Er hatte die Glückwünsche seiner Großmutter nicht gelesen, die schrieb: "Dies ist eine Kopie. Die richtigen 100 Euro überweise ich auf dein Konto."

Manchmal reichen die Spenden sogar für den Führerschein und bei ganz viel Glück auch für das passende Auto dazu. Was in den Siebzigern die Ente und in den achtziger Jahren das Golf Cariolet, ist heute der New Beetle. Oder ganz am oberen Ende der Skala: der Porsche 911, der ebenso wie der Sohn Baujahr 1987 ist. Dagegen sind selbst Fernreisen günstig. In den neunziger Jahren tourten noch ganze Abschlussjahrgänge mit dem Interrail-Ticket der Bahn durch Europa. In Zeiten von Billigtickets reist der Abiturient von heute schon eher mit dem Flugzeug. Allerdings nicht immer allein. Die Eltern einer Abiturientin schenkten ihr zum Abi dasselbe wie damals zur Einschulung: eine Reise mit der ganzen Familie nach Disneyland. Mit sechs Jahren hat sie sich darüber mehr gefreut als mit 19 Jahren. Eine andere Abiturientin durfte immerhin das Ziel ihrer Reise bestimmen und suchte sich Lloret de Mar aus. Was sie erst am Tag der Abreise erfuhr: Ihre Eltern kamen mit. Ihr Freund dann lieber doch nicht.

Am beliebtesten ist immer noch die Einladung zum Essen

Ein anderer Klassiker unter den Geschenken: die Kleidung für den Abi-Ball. Schließlich hat nicht jede Abiturientin ein passendes Ballkleid im Schrank und nicht jede Familie einen Porsche-tauglichen Kontostand. In den USA bekommt so manche Ab- solventin zum Highschool-Abschluss auch die zum Kleid passende Oberweite geschenkt. Oder eine neue Nase, je nachdem. So weit sind wir hierzulande vielleicht noch nicht, aber ein personal trainer soll auch schon mal zum Abi spendiert worden sein. Um nach dem Geist auch den Körper zu trimmen. Doch das beliebteste Geschenk ist mit Sicherheit auch das schönste: ein schickes Essen mit Familie und Freunden. Dann geht es nicht um Geld, um Reisen oder andere teure Geschenke, sondern um das Wesentliche: den Abschluss zu feiern.