Auf den ersten Blick erinnert die Suche nach dem passenden Studienfach an die Stecknadel im Heuhaufen. Immerhin 8796 Studienmöglichkeiten gibt es an den 353 deutschen Hochschulen. Auf den zweiten Blick aber ist diese Vielfalt eine wunderbare Chance – die Chance, nach der Einheitlichkeit der Schule endlich das zu machen, was einen wirklich interessiert.

Schon ganz schön weit ist, wer seine Interessen bereits kennt. Alle anderen müssen ihre Stärken und Schwächen entdecken. Das geht am besten, indem sie eine "Was kann ich"-Liste schreiben. Auf diese Liste gehören nicht nur die Schulfächer, in denen man gut ist. Darauf gehört auch alles, was man gern macht: das Fahrrad reparieren, Volleyball spielen, lesen, reisen, Musik hören. Auch aus Hob-bys und Fähigkeiten, die auf den ersten Blick nichts mit einem Studium zu tun haben, lassen sich Stärken und Schwächen ableiten: Bin ich ein Eigenbrötler oder ein Teammensch? Beschäftige ich mich gern mit Technik oder lieber mit Menschen?

Auf Geoökologie kommt man als Schüler kaum von selbst

Verschiedene Tests und Checklisten, wie sie beispielsweise die Agentur für Arbeit anbietet, helfen dabei, zu lernen, wie man sich selbst einschätzt. Danach wird es Zeit, Menschen zu fragen, die einen sehr gut kennen – Freunde und Eltern etwa. Es ist spannend, wie man von anderen eingeschätzt wird, und oft kommen Talente ans Tageslicht, die einem selbst noch gar nicht aufgefallen sind, weil man sie für selbstverständlich hält und deshalb nicht wahrnimmt: dass man gut zuhören kann, beispielsweise. Wer noch mehr Rat braucht, wendet sich an die Profis. Die Studienberater der Arbeitsagentur und an den Hochschulen helfen, die eigenen Interessen zu entdecken. Auch ein ein- bis mehrtägiges Orientierungsseminar kann ein Wegweiser sein; angeboten wird es von den Arbeitsagenturen, Hochschulen und anderen Institutionen wie beispielsweise der Evangelischen Akademie in Tutzing.

Wer Antworten auf die "Was kann ich"-Frage gefunden hat, ist schon weit. Jetzt gilt es, die Studienrichtung zu finden, die dazu passt. Manche Abiturienten können aus den Stärken und Schwächen bereits einen konkreten Studienwunsch ableiten. Gut zuhören etwa, das sollte ein Arzt können. Und ein Phonetiker. Das ist ein Mensch, der sich mit der Lehre der Laute befasst. Auf dieses Fach können Abiturienten beispielsweise im Berufsinformationszentrum der Agentur für Arbeit stoßen. Dort gibt es das Buch Studien- & Berufswahl, in dem alle Studiengänge deutscher Hochschulen aufgelistet sind. Beim Schmökern entstehen Ideen, über die man mit einem Berufsberater der Arbeitsagentur oder einer Hochschule sprechen kann.

Auch das Internet ist eine Fundgrube. Wer nur die ungefähre Richtung seines Studienwunsches kennt, etwa weiß, dass er irgendetwas mit Medien, Technik oder Sprachen studieren will, klickt die Internetseiten Berufenet (www.berufenet.de), Kursnet (www.kursnet.arbeitsagentur.de) und Hochschulkompass (www.hochschul kompass.de) an.

Das Berufenet der Arbeitsagentur liefert zu einem Oberbegriff wie Tourismus oder Natur passende Studienrichtungen inklusive Kurzbeschreibung. Bei dem Stichwort "Öko" spuckt der Computer neben Biologie auch so ausgefallene Fächer wie Umweltökonomie und Geoökologie aus – Disziplinen, auf die wenige Schüler von allein kommen.