Dass Politiker früher noch echte Geistesgrößen, Alphatiere und Hundlinge waren, die Politik heute aber unter schlimmen Nachwuchssorgen leidet, ist ja an sich nichts Neues. Doch während die etablierten Parteien noch diverse Beben (Beck, Banken, Bayern) verarbeiten müssen, plant die Linkspartei schon ihren neuesten Coup. Oskar Lafontaines putzmuntere Truppe, so heißt es, denke darüber nach, den Theatermann Peter Sodann alias Kommissar Ehrlicher (Tatort Leipzig) als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten vorzuschlagen. Vor drei Jahren war Sodann schon mal als Kandidat der Linken für den Bundestag aufgetreten – allerdings nur für zwei Tage –, bis ihm dämmerte, dass er dann für mindestens sechs Wochen nicht mehr im Fernsehen auftreten könnte ("Das mit den sechs Wochen wusste ich nicht"). Inzwischen ist Kommissar Ehrlicher pensioniert und Sodann 72 Jahre alt, also im besten Alter für politische Führungsaufgaben. Aus der SPD verlautet derweil, die bisherige Kandidatin Gesine Schwan sei kurz vor dem Rücktritt, die neue Führung um Franz Müntefering und Frank-Walter Steinmeier stehe bereits seit Wochen in engem Kontakt mit Axel Prahl (Tatort Münster), der jedoch bei den Grünen auf Vorbehalte stößt, die ihrerseits eine alleinerziehende Doppelspitze mit Migrationshintergrund aus Maria Furtwängler und Mehmet Kurtulus (Tatort Hannover) bevorzugen. Gerhard Schröder dementierte unterdessen, dass das neue Staatsoberhaupt ohnehin bald zu 50 Prozent von Gasprom übernommen werden soll. Und was sagt die Kanzlerin zu alldem? Horst, hol schon mal den Wagen!Tina Hildebrandt