300 Milliarden Dollar? 400 Milliarden Dollar? Es ist wohl weit mehr Geld, über das Finanzinvestoren wie KKR, Carlyle oder Permira weltweit verfügen. Eigenkapital, das ihre Anleger ihnen fest zugesagt haben und das sie bei Bedarf nur abrufen müssen. Das macht sie, wie die Staatsfonds, so attraktiv: Viele Banken suchen dieser Tage händeringend nach neuen, finanzstarken Investoren. Jede Bank spreche mit jeder der großen Adressen, heißt es. So soll zum Beispiel das Finanzinstitut Washington Mutual aus den USA zeitweise mit Carlyle und Blackstone angebändelt haben. Amerika lockerte vergangene Woche gar die Vorschriften für den Einstieg bei Banken.

Finanzinvestoren, die Retter in der Not? Zweifel sind erlaubt. Mag jeder ihrer Manager von den opportunities, den Möglichkeiten, sprechen, die die Finanzkrise auch biete – zuvorderst bereitet sie ihnen immense Probleme. Da sind zum Beispiel die Verluste, die TPG mit dem vor Monaten eingefädelten Einstieg bei der nun verstaatlichten Washington Mutual erleiden dürfte oder die J. C. Flowers befürchten muss, nachdem diese Firma im Juni ein Engagement bei der Krisenbank Hypo Real Estate besiegelte. Da ist die Tatsache, dass das Bankensterben in den USA den Finanzinvestoren zentrale Partner raubt. Insbesondere das Verhältnis zu den fünf großen Investmentbanken der Wall Street war während des Booms geradezu symbiotisch. Verschwunden sind nun zahllose Helfershelfer, die bis 2007 Übernahmen anbahnten, Milliardenkredite gewährten oder selbst mit Riesenbeträgen einstiegen.

Die Finanzkrise ist dabei, das Geschäft der Finanzinvestoren dauerhaft und strukturell zu verändern. Wer noch glaubt, dass die Bankenwelt ihnen bald wieder größere Kredite für Firmenübernahmen geben wird, ist ein hoffnungsloser Optimist. Ein Jahr dauert der Streik der Kreditinstitute schon an – weitere Jahre werden folgen. Mehr noch: Die Konjunktur ist dabei zu erlahmen, Umsätze und Gewinne vieler Unternehmen drohen zu sinken, und zwar auf lange Sicht. Die Folge: Viele werden die ihnen nach dem Kauf aufgebürdeten Schulden nicht mehr zurückzahlen können. Ja, die Zeit wird kommen, in denen die Finanzinvestoren ihr Eigenkapital in die Hand nehmen – und zwar, um die Firmen in ihrem Besitz zu stützen. Niedrigere Renditen, verärgerte Anleger sind zu erwarten. Die Branche der Finanzinvestoren steht vor einer Krise, die sie in ihrer Existenz bedrohen könnte. Arne storn