DIE ZEIT: Sie sagen, dass man die Gesinnung eines Politikers allein an seinem Äußeren erkennen kann. Wie haben Sie das untersucht?

Jakub Samochowiec: Wir haben Porträtfotos von 82 unbekannten Schweizer Politikern ins Internet gestellt, auf denen alle vor dem gleichen Hintergrund zu sehen sind. Probanden sollten die politische Richtung auf einer Skala von 1 für links bis 7 für rechts einschätzen. Das Gesamturteil aller Probanden für einen Politiker verglichen wir dann jeweils mit seinem tatsächlichen Abstimmungsverhalten. Die Werte korrelierten stark.

ZEIT: Die Männer tragen alle Anzug und Krawatte, die Frauen Bluse und Blazer, wie kommt da eine Einschätzung zustande?

Samochowiec: Durch Kleinigkeiten, eine Holzkette, Perlenohrringe. Linke Politiker sind etwas experimentierfreudiger. Ihre Anzüge sind auch mal dunkelgrün, das Hemd ist nicht immer weiß oder hellblau. Allerdings sind diese Merkmale so selten, dass sie statistisch schwer zu greifen sind. Das einzig robuste Kriterium war die Frisur: Männer mit Seitenscheitel oder nach hinten gekämmtem Haar findet man vor allem im rechten Lager.

Zeit: Nutzen Politiker diese Stereotype aus?

Samochowiec: Ja. Stereotype sind Orientierungshilfen. Politiker vermitteln – wie wir alle – über das Auftreten bestimmte Botschaften. Ein Humanist, dem Selbstverwirklichung wichtig ist, kleidet und frisiert sich individueller. Für einen Konservativen, der eher auf Ordnung achtet, gilt dagegen: Je genauer er den Dresscode erfüllt, desto besser.

Zeit: Welche Rolle spielt die Sympathie bei der Einordnung?