Was 2007 als gefährliche Verwerfung an den Kreditmärkten begann, ist zur gigantischen Vertrauenskrise mutiert. Es geht längst nicht mehr um geplatzte Hypothekenpapiere, nicht mehr allein um kaputte Bankbilanzen. Selten zuvor haben Investoren und Unternehmen derart gezweifelt an den Banken und allgemein an der Funktionsfähigkeit der Kapitalmärkte. Zuletzt blieb die Hoffnung, dass der Staat eingreifen und mit einer kräftigen Finanzspritze die beschleunigte Auflösung des Finanzsystems stoppen würde.

Am Montag ist diese Hoffnung im US-Kongress zerschellt. Zeitweise stürzte der Dow-Jones-Aktienindex um über 700 Punkte – so tief wie seit dem Crash 1987 nicht mehr. Schon vorher war der Markt für kurzfristige Kredite, über den sich die Unternehmen Geld für ihre laufenden Geschäfte beschaffen, ins Stocken geraten. Jetzt bemühen sich die Parteien zwar um eine Wiederbelebung des Rettungsplans. Doch selbst wenn der Kongress noch einen Kompromiss schafft – der Schaden ist angerichtet, weil nun auch die Politik das Vertrauen der Märkte verloren hat.

Tatsächlich ist der Plan des Finanzministers kein Allheilmittel. Henry Paulson wollte 700 Milliarden Dollar, um die toxischen Hypotheken-Portfolios aufzukaufen, die Banken daran hindern, neue Kredite zu vergeben. Die Idee: So könnten die Banken ihre Verluste wettmachen, die schlimmsten Löcher in den Bilanzen kitten – und sich stark genug fühlen, um wieder Geld zu verleihen. Doch so hoch die Summe auch wirkt, ist sie doch nur ein Bruchteil der Beträge, die bei den Banken ins Wanken geraten sind.

Das zweite und noch größere Problem: Niemand weiß, wie viele Vermögenswerte im Bankensektor angeschlagen sind. Auch unter Paulsons Plan würde das nicht durchschaubarer, denn die Banken könnten freiwillig entscheiden, welche Papiere sie dem Staat zum Aufkauf andienen. Außerdem will Paulson die Papiere zu einem höheren Preis kaufen, als ihn der verunsicherte Markt gerade ausweist. Die negative Folge: Dann könnten die Institute andere Werte in ihren Büchern weiterhin zu aufgeblasenen Preisen stehen lassen. Das könnte bei Investoren, die den Banken dringend notwendiges Kapital geben sollen, für Skepsis sorgen.

Doch gar keinen Plan zu haben ist noch weitaus schlimmer als dieser. Mit dem Debakel vom Montag ist das größte Plus des Rettungspakets schon halb verloren: sein Placeboeffekt. Die Rechnung dafür dürfte schon in den kommenden Tagen und Wochen gestellt werden, wenn weitere Banken rund um den Globus in Schieflage geraten und teuer gerettet werden müssen. Heike Buchter

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