Liebe Leser! Sind Sie entsetzt, verärgert, fassungslos? Wir können Sie trösten: Sie sind nicht allein. Tausende haben sich schon darüber empört, dass ausgerechnet in diesen Zeiten eine gewissenlose Clique von ZEIT - Feuilletonredakteuren dem Kapitalismus seine selig machenden Qualitäten abgesprochen hat. Und ausgerechnet das Seligmachende! Was bleibt dem System denn dann noch? Auch das Handelsblatt hat schon erklärt, dass man den Kapitalismus in den Tagen seiner höchsten Not vor solchen Kritikern schützen müsse. Wie kommen diese Typen überhaupt dazu? Nun, liebe Leser, wir haben die Antwort gefunden. Sie steht in der Zeitschrift Merkur. Versuchen Sie sich unbedingt, auf welch verschlungenen antiquarischen Wegen auch immer, das Mai-Heft zu besorgen. Dort schreibt ein Australier namens Peter Saunders, dass er folgende Erklärung bei dem berühmten Nationalökonomen Joseph Schumpeter entdeckt habe: "Die Intellektuellen attackieren den Kapitalismus, weil sie so Bücher verkaufen und Karriere machen können." Das soll natürlich nicht heißen, dass Feuilletonredakteure in ihrer Freizeit beim örtlichen Buchhandel aushelfen oder anderswie unlauter vorankommen – aber es ist ein erster Hinweis, immerhin. Und Saunders hat noch einen gefunden, diesmal bei einem gewissen Robert Nozick. Wir zitieren: "Robert Nozick hat einmal darauf hingewiesen, dass die Intellektuellen ihre Kindheit damit verbringen, die Besten in der Schule zu sein, wo sie die Spitzenpositionen in der Hierarchie einnehmen, und dann im späteren Leben feststellen, dass ihr Marktwert viel geringer ist, als sie es für angemessen halten. Dass ›bloße Händler‹ besser entlohnt werden als sie, ist unerträglich und führt zu einer unversöhnlichen Abneigung gegenüber dem System der Marktwirtschaft." Bingo, liebe Leser! Die Kapitalismuskritik der Feuilletonintellektuellen ist das Ergebnis einer jahrelang verfehlten Personalpolitik, die einseitig auf glänzende Abiturnoten gesetzt hat. Hätte die Zeitung doch stattdessen Hauptschulabbrecher eingestellt! Aber nein, jetzt sind die enttäuschten Quengler da, noch dazu mit ihrem moralischen Hochmut. Denn das ist die dritte Erklärung von Peter Saunders: Der Kapitalismus, sagt er, "erfüllt menschliche Bedürfnisse, ohne erst um die moralische Genehmigung durch die Intellektuellen nachzusuchen". Tja. Da haben wir nun den Salat – beziehungsweise die Intellektuellen, die moralische Bedürfnisse erfüllen, ohne erst um Genehmigung durch das Kapital nachzusuchen. Finis