Piraten sind, wie Gelbfieber und Malaria, für den Mitteleuropäer ein fernes Problem. Sicher, gelegentlich wird eine Jacht oder ein Tanker entführt, dann heißt es, Lösegeld zu bezahlen, business as usual.

Lange schon ist vor Somalias Küste kein Schiff mehr sicher. An diesen Zustand hatte man sich so sehr gewöhnt, dass es eines Schocks bedurfte, damit die zivilisierte Welt reagierte – wie der Entführung eines Frachtschiffs, bei der 33 Panzer und Munition in die Hände der Kriminellen fielen. Nun entsendet Russland Kriegsschiffe, und auch die EU will eine Flotte in die Region schicken, Deutschland soll sich mit einer Fregatte beteiligen.

Noch ist unklar, worin die Aufgabe dieser Flotte bestehen soll. Einfach vor der Küste zu patrouillieren wird die Piraten nicht sonderlich beeindrucken. Wer Entführungen verhindern will, muss es der Marine gestatten, Seeräuber zu jagen. Das heißt auch, dass es dabei Tote geben kann – auf beiden Seiten. Das ist aber auch der Fall, wenn Polizisten Bankräuber verfolgen. Dass Piraten mit guten Worten nicht zu bezwingen sind, zeigt ein Blick in die Geschichte. Die Überfälle nordafrikanischer Korsaren auf Handelsschiffe im Mittelmeer hörten erst auf, als 1816 ein britisch-niederländisches Geschwader die Raubschiffe zerstörte. Mit postkolonialer Kanonenbootpolitik hätte ein solcher Einsatz heute nichts zu tun. Die Piraten gehören vor ein internationales Gericht – und Somalias machtlose Regierung würde das begrüßen. Hauke Friederichs