Schon wieder ein hämischer Artikel über die Jugendlichen. Gibt’s das jetzt jede Woche in der ZEIT?

Das "Weltwärts"-Programm ist nicht deshalb erfolgreich, weil die Bewerber pragmatisch bis zum Opportunismus, unideologisch und naiv sind. Es war vielmehr bisher so, dass alle sozialen Programme im Ausland mehrere Tausend Euro kosteten. Flug, Unterhalt und vor allem Gebühren summieren sich bei allen Veranstaltern auf 3000 bis 4000 Euro pro Jahr. Das kann oder will sich nicht jede Familie leisten. Es ist also nicht verwunderlich, dass es in den Jahren vor "Weltwärts" Nachwuchsprobleme gab. Daher waren wir sehr froh über das "Weltwärts"-Programm, und sicher geht es vielen anderen Familien genauso.

Der kreative Elan der Bewerber reicht also nur bis zum Ausfüllen des Bewerbungsbogens? Ist es kreativer, sich kiffend in Richtung Indien zu bewegen in der Hoffnung auf Erleuchtung?

Heike Simon, Mainz

Mit Interesse habe ich Ihre Interpretation der Beliebtheit des neuen BMZ-Programms gelesen. Aus der Sicht einer Studentin, die selbst mehrere Monate lang freiwillig in einem entwicklungspolitischen Projekt gearbeitet hat, kann ich die Schlüsse, die Sie aus dem großen Run auf die "Weltwärts"-Plätze ziehen, leider nicht akzeptieren.

Der Pragmatismus, in dem Sie das Hauptmerkmal der "Jugend von heute" zu erkennen meinen, ist nicht alleiniger Ausdruck der Unfähigkeit, sich höheren Prinzipien zu verpflichten. Er resultiert aus der Erkenntnis, dass große Worte trotz ihrer ideellen Kraft weder Gesellschaften verbessern noch die Nachhaltigkeit von Entwicklungshilfeprogrammen fördern können. Wer dieses Denken auf seinen fehlenden ideologischen Überbau reduziert, entwirft ein verfälschtes Bild einer Generation.

Amelie Schiprowski, Nancy, Frankreich