Mit Recht weist der Autor auf die strukturellen Unterschiede zwischen Landimperien und Seeimperien hin (die übrigens spätestens seit Alfred Tayer Mahans und Halford Mackinders Schriften bekannt sind). Besonders relevant erscheint Münklers Argumentation, wenn man das britische Empire Russland gegenüberstellt und beide als idealtypisch für die jeweilige Kategorie gelten lässt. Dennoch: Bei näherem Hinschauen erweisen sich zwei seiner Aussagen als umstritten, wenn nicht unhaltbar.

Zum einen treffen die Merkmale – das breite Spektrum an Machtmöglichkeiten und technologische Überlegenheit –, die Münkler Seeimperien bescheinigt, historisch gesehen auf die Niederlande, England sowie die USA zu. Spanien und Portugal, die in der frühen Neuzeit Seeimperien aufzubauen vermochten, fallen hingegen nicht in diese Kategorie und nehmen sich – um in Münklers Sprache zu bleiben – genauso "notorisch schwerfällig und unbeweglich" aus wie Landimperien. Bei historischer Argumentation bedarf es also einer weiteren Differenzierung der Definition "Seeimperien".

Zum anderen erklärt die Aussage, dass Russland – um seinem möglichen Zerfall zu begegnen – an den Rändern mit Brutalität agiert, strukturell nicht viel. Denn auch Seeimperien können an ihren Peripherien oder in ihren Einflusssphären äußerst brutal handeln, was die Massaker von Amritsar in Indien 1919 bis My Lai 1968 widerspiegeln.

Der Abwurf von Atombomben über Japan und später der Einsatz von Napalmbomben und Entlaubungsgiften in Vietnam zeigen außerdem, dass einige Demokratien noch einen Schritt weiter zu gehen bereit sind und keineswegs davor zurückschrecken, Massenvernichtungswaffen einzusetzen.

Dr. Dariusz Adamczyk Hannover