Sollen die Anlagen in Island viele Jahre halten, müssen ihre Metallteile gut geschützt werden. Aber wie? Erfahrungen aus den Kohlekraftwerken, die auch überkritisches Wasser benutzen, helfen nicht weiter. "Die haben bisher keine Probleme mit Korrosion", sagt Starflinger. Allerdings verwenden sie hochreines Wasser, das sie obendrein mit chemischen Zusätzen entschärfen. Bei der Geothermie kann man sich das Wasser nicht aussuchen, sondern muss nehmen, was aus der Tiefe kommt. Niemand weiß genau, welche Zusätze der Vulkan dort einrührt.

Bleibt noch das Problem, das überkritische Wasser bis zur Oberfläche zu bringen, ohne dass es einen erheblichen Teil seiner Energie verliert. Das kilometerlange Förderrohr wirkt wie ein Kühler, das die kostbare Energie raubt. Eine Abkühlung und gleichzeitige Druckentlastung könnte zu einer Verflüssigung des Wassers führen. "Wir müssen nach Möglichkeit die Temperatur halten, damit wir nicht im flüssigen Bereich landen", sagt GFZ-Experte Huenges. Eine Isolierung könnte helfen – aber die würde die Röhre enger machen, sodass die Energieausbeute geringer ausfiele.

So verwegen das isländische Projekt auch wirkt, es soll doch nur ein weiterer Meilenstein sein bei der Entwicklung der Erdwärmenutzung: Nach den flachen Erdwärmepumpen, die längst Wohngebäude klimatisieren, den tiefen Bohrungen, die heißes Wasser zum Heizen und Dampf zum Verstromen liefern, und den künstlich geschaffenen Durchlauferhitzern wie in Basel, die sogar aus trockenem Gestein Energie zapfen, kommt jetzt der Zugriffversuch in die heißen Eingeweide der Erde. Wenn er gelingt, könnten auch andere Länder profitieren – vorausgesetzt, sie verfügen über aktive Vulkane. Auf der Liste der potenziellen Nutznießer stehen etwa El Salvador, Kenia, die Philippinen oder Costa Rica, wo schon heute bis zu 20 Prozent der Elektrizität aus Erdwärme gewonnen wird. Allerdings müssen sie sich noch einige Jahre gedulden.