D

as Essen sieht aber nicht sehr lecker aus, ein bisschen wie bei uns in der Kantine. So furchtbar vollgepackt die Teller. So klebrig-zäh die Soßen. Und der rote Fleck da neben den Buchweizenklößen… Was ist denn das für ein Kochbuch?

Ein linkes und ein ziemlich interessantes, wenn man es schafft, sich von der bürgerlichen Schimäre des Wohlgeschmacks zu lösen und das Essen als politischen Akt zu begreifen. 24 Rezepte zur kulinarischen Weltverbesserung heißt das Buch, was ein bisschen, aber auch nur ein bisschen selbstironisch gemeint ist. Der Autor Wam Kat, in Holland aufgewachsen und heute in Brandenburg lebend ("Aktivist, Journalist, Koch"), führt in eine Vergangenheit, die schwer im Magen liegt. Es war ja nicht immer so, dass die Linke gutes Essen für wichtig oder subversiv hielt. Kat entdeckte sein Talent lange vor Toskana-Fraktion und Slow Food in den Volxküchen der siebziger Jahre. Seitdem hält er die Aufrechten bei Kräften, von den Sitzblockierern in Gorleben bis zu den Globalisierungsgegnern in Rostock.

Kat scheint ein netter Kerl zu sein. Er sieht aus wie Iggy Pop, wenn er gesünder gelebt hätte, und erzählt zu jedem Rezept die bewegte Entstehungsgeschichte. Wie kocht man für Menschen, die satt werden wollen, aber auf keinen Fall saturiert? Deftig vegan offenbar oder wenigstens vegetarisch. Wer bis jetzt nur bourgeoise Kochbücher daheim hat, wird sich wundern über die reichlichen Garzeiten, Mehlschwitzen, Sojaprodukte und den Mangel an Ideen und Präzision. Kräuter – ja gern, aber welche?

Wam Kat hat keine Lust auf den barocken Kochbuchton des "Man nehme". Er spricht den Leser direkt an, natürlich per Du. Das kennen wir schon von Tim Mälzer. Aber Kat ist ein anderer Typ. Einer, der – wie hieß das damals? – nicht den Macker heraushängen lässt. Mach einfach, probier einfach, so der Tenor des Buchs. Wichtig beim Kochen ist nur zweierlei: erstens regionale, biologische Ware, gern auch vom Wohlstandsmüll. Zweitens natürlich das richtige Bewusstsein. "Das Essen merkt, ob du mit Liebe dabei bist oder dauernd ›Scheiße!‹ rufst."

Das Erstaunliche: Die Botschaft kommt an. Nicht dass man Kats Rosenkohl mit Marmelade oder den heringsfreien Heringssalat je nachkochen möchte. Aber nach ein paar Igitt-Affekten versteht man das mit der Liebe. Spätestens an der Stelle, wo der Autor von seinem Volxküchen-Einsatz im Kosovo erzählt. Auf dem Weg hat er am Straßenrand einen umgekippten Lastwagen mit Hilfsgütern entdeckt. Der Laster war schon ausgeschlachtet, doch die Ladung, "Proteinkekse", lag noch immer unbeachtet herum. Offenbar wollen auch Hungernde mehr als nur irgendwie satt sein.

Dieses Rezeptbuch erreicht mehr als mancher Solidaritätsaufruf. Es erinnert daran, worum es beim Kochen geht: Menschen eine Freude zu machen, egal, ob sie im Gourmetrestaurant sitzen oder vor der Tofugulaschkanone stehen. Was wo am besten schmeckt, kommt wohl auf die Umstände an. Aber manches schmeckt eben nie und nirgends. Nach der Lektüre möchte man gleich ein bisschen mitboykottieren: Stell dir vor, es gibt Junk Food, und keiner geht hin.