Zur Einweihung des Ladens vor zwei Wochen kamen einige Kunden, Dutzende Polizisten und 150 Demonstranten. Seitdem gibt es keine Ruhe. Die Boutique Brevik in einer Passage an der Hamburger Mönckebergstraße wirkt auf den ersten Blick wie ein gewöhnliches Outdoorgeschäft, doch verkauft sie ausschließlich Kleidung der Marke "Thor Steinar", die unter Rechtsradikalen als schick gilt. Mit ihr kleiden sich Neonazis nach der Mode und sind von Gleichgesinnten dennoch zu erkennen.

Springerstiefel mit weißen Schnürsenkeln, Bomberjacke und Braunhemd trugen sie gestern, heute ist es Kleidung mit dem Aufdruck der "Nordic Company". Die Schnitte sind aktuell, die Stoffe hochwertig, und der Katalog hat Hochglanz-Qualität. Lediglich kleine Runen oder zweideutige Sprüche weisen die Textilien als Gesinnungswäsche aus. Eine Kollektion heißt "Nordmark" – wie ein NS-Arbeitslager, ein Jeanshosentyp "Thule" – wie die gleichnamige rechtsextreme Gesellschaft. Mit "Ski Heil", "Nordic Division" und "Germanischer Gotteskrieger" sind T-Shirts bestickt. Das ist alles nicht strafbar, was den Umgang mit dem Phänomen nicht einfacher macht.

Thor Steinar gibt sich modern und unpolitisch. Und die Geschäfte, in denen es verkauft wird, hausen nicht mehr in Schuppen am Stadtrand – sie präsentieren sich in bester Lage.

Das Unternehmen Mediatex, das Thor Steinar vermarktet, beliefert Läden in Berlin, Dresden, Leipzig und Magdeburg. Die Geschäfte führt der Kaufmann Uwe Meusel aus dem brandenburgischen Königs Wusterhausen. Er gründete Mediatex im Jahr 2003 zusammen mit seinem Partner Axel Kopelke, der im Sommer 2007 in die Schweiz übergesiedelt ist. Beiden wirft die Website Inforiot, die von einer linken Gruppe in Brandenburg betrieben wird, Verstrickungen in die rechte Szene vor. Kopelkes Reaktion darauf ist nicht bekannt; Meusel wehrt sich mit juristischen Mitteln gegen solcherlei Behauptungen. Von seinen rechtsradikalen Kunden, die Thor Steinar loben, distanziert er sich nicht. Der rechte Internet-Versandhandel Rock-Nord habe Thor-Steinar-Kunden als "patriotisch" bezeichnet, berichtet der Verfassungsschutz. Die "Nationalen Sozialisten Mainz-Bingen" schreiben im Internet von einer in "nationalen Kreisen" beliebten Marke; die NPD Hannover freut sich, wie gut die Kleidung bei der "nationalen Jugend" ankomme.

Der Staat Norwegen klagt wegen Missbrauchs seiner Flagge

Vom brandenburgischen Zeesen aus vertrieb Mediatex Thor Steinar zunächst über das Internet und rechte Versandhändler. Im Jahr 2006 begann Meusel Boutiquen zu eröffnen. Als Mieter tritt meist die Firma Protex auf, deren Geschäftsführer er ist.

Seine Läden liegen stets in der Innenstadt: in Dresden am Ferdinandplatz, wo im Winter der traditionelle Striezelmarkt stattfindet, in Magdeburg im Hundertwasserhaus in der Nähe des Doms und des Landtages und in Leipzig mitten im Zentrum. Die Läden führen die Namen skandinavischer Städte, Thor Steinar zelebriert einen nordischen Kult. Da die Marke ihre Textilien gerne mit der Flagge Norwegens bedruckt, hat der norwegische Staat Mediatex wegen Missbrauchs seines Hoheitszeichens verklagt.