Wuppertal hat wie viele deutsche Kommunen um die Jahrtausendwende Geschäfte mit amerikanischen Investoren gemacht, die damals schon umstritten waren. Slawig verkaufte das Wuppertaler Müllheizkraftwerk und das Kanalnetz und mietete es zurück. Die Amerikaner vermieden so Steuern und überwiesen einen Anteil des eingesparten Geldes. An jedem Deal, jedem Cross Border Lease, verdiente Slawig mehr als 20 Millionen Euro. Wuppertal brauchte sie dringend, die Stadt ist hoch verschuldet. In ein paar Jahrzehnten will der Kämmerer Kraftwerk und Kanalrohre zurückkaufen. So war sein Plan.

Doch in das komplizierte Geschäft ist AIG verwickelt, der größte Versicherungskonzern der USA, den der Staat im September vor der Pleite bewahren musste. Nun gilt AIG als unsicherer Partner, seine Bonität wurde zurückgestuft. Slawig muss die Verträge neu absichern. Mitten in der Krise könnte das teuer werden und ihn Millionen Euro kosten.

Slawig wirkt erschüttert: "Dass eine Firma wie AIG Insolvenz anmeldet", sagt er, "ist unvorstellbar gewesen – als ginge die Allianz pleite." Hat er das Risiko unterschätzt? "Eine solche Krise hat doch niemand vorhersehen können."

Berlin-Pankow, Wohnung an der Florastraße

Eine Wohnungseinweihungsparty in Berlin-Pankow, es feiert ein Pärchen, sie 30, er 36. Die Prenzlberger ziehen nach Pankow, weil es dort noch bezahlbare große Wohnungen gibt. Bei Flaschenbier wird das neue Parkett bewundert. Die meisten Gäste hätten Grund, sich zu sorgen. Die Juristen, Apotheker und Journalisten haben Aktien, Fonds oder Versicherungen. Und häufig Jobs, die gefährdet sind, wenn eine Bank zusammenbrechen sollte. Doch über die Krise wird kaum gesprochen. Nur manchmal sagt einer, dass es den Bankern recht geschehe. Ein Gast sagt: "Mich langweilt diese Finanzkrise so dermaßen."

Potsdam, Verbraucherzentrale, Lange Brücke

Auf dem Besucherstuhl sitzt Klaus Müller, der wirklich so heißt, "alter deutscher Landadel". Er lacht und rückt seine Brille zurecht. Er ist hier, weil er von der Krise überrascht wurde. Klaus Müller hat eine Stofftasche mitgebracht, darin eine Pappmappe, in die seine Bankpapiere gepackt sind. Er breitet die Papiere vor Barbara Schulze aus, der Verbraucherberaterin in Finanzfragen, als seien die Papiere Pilze, die er vor Kurzem im Wald geschnitten hat und von denen er jetzt wissen möchte, welche davon giftig sind und welche nicht. Auf ihrer Schreibtischunterlage führt Beraterin Schulze Buch, mit welchen Fragen die Menschen zu ihr kommen. Bei "Kapitalanlage" ist Müller schon der 37., der Rat sucht im Oktober. Der Rentner aus Teltow, ehemals Bürger der DDR und 68 Jahre alt, hat vor drei Jahren angefangen, Zertifikate zu kaufen.