"Sie wissen ja, dass es da ein Risiko gibt", sagt Barbara Schulze.

"Hmmm. Na ja", sagt Müller: "Also, jetzt schon." Es könnte sein, dass Müller am Ende viel Geld verlieren wird.

Müller, ehemaliger Glasbläsermeister, hat zuletzt etwa 2000 Euro brutto verdient, er bekommt eine Rente von 1200 Euro. Sein Vermögen sind 60000 Euro, 9000 davon hat er in Zertifikaten angelegt. Das Geld ist seine Versicherung dafür, dass er sich mal ein Pflegeheim leisten kann, wenn es so weit sein sollte. Obwohl ein Siebtel seines Vermögens plötzlich unsicher erscheint, stellt Klaus Müller nicht die Systemfrage. Er schimpft nicht auf den Kapitalismus, wie manche im Osten, die schon zu Wendezeiten gewusst haben wollen, dass der auch nichts tauge. Er kritisiert sich selbst. "So larifari darf man solche Sachen halt nicht abschließen."

Zehn Minuten zu Fuß vom Büro der Verbraucherberatung, in der Filiale der Sparkasse, sitzt Direktorin Andrea Aulich. Ihr Lächeln erinnert an das einer Nonne, die sich in ihrem Glauben sehr sicher ist. Ihre Welt wurde nicht erschüttert, das ist die Botschaft der Direktorin. Das Geld auf der Sparkasse ist sicher. Unruhige Nächte habe sie nicht gehabt. Nur eines hat sich verändert in der Potsdamer Sparkasse: Die "Sparkassenzertifikate", die keine Zertifikate im gefährlichen Sinne waren und plötzlich einen ungünstigen Namen trugen, heißen seit wenigen Tagen "Festzinssparen". Der Vorstand hat das beschlossen.

München-Innenstadt, vor der Heilig-Geist-Kirche

Als Michael Kehr von der Finanzkrise erfuhr, sagte er sich: "Ich hab es genau richtig gemacht." Sollen sich doch die anderen die Hacken ablaufen, sollen sie doch sagenhafte Reichtümer anhäufen, um sie am nächsten Tag zu verlieren, was juckt ihn das. "Der Spruch stimmt schon: Das letzte Hemd hat keine Taschen."

Kehr hat noch genau eine halbe Stunde, dann ist Feierabend. Pünktlich um ein Uhr mittags macht er Schluss, packt die Isomatte und den Bettelsack in den Rucksack, wirft den Pappbecher, der ihm als Abfalleimer dient, in den Müll und fährt nach Hause. Zu Hause, das ist der Winkel im Münchner Südfriedhof, in dem sein Radio und seine Bücher stehen. Zu Hause, das ist das Lager der Obdachlosen.