München-Westend, in einer Bäckerei an der Schwanthalerstraße

Ferhat Özdemir steht vor seiner Bäckerei, die mit Lametta und allerlei anderem Glitzerzeug geschmückt ist. Man denkt an Karneval, obwohl doch gar kein Karneval ist. Im Gegenteil. "Seit einer Woche ist in meinen Bäckereien der Umsatz um 30 Prozent gesunken", sagt Özdemir. Am Brot liege das nicht. "365 Tage im Jahr verkauf ich die gleiche Menge Brot, aber damit lässt sich doch kein Geld verdienen." Was sich rentiere, das seien die aufwendigen Torten, die großen türkischen Pralinenschachteln, der Kaffee, den die Kunden bei ihm trinken würden.

"Die Deutschen leben für die Arbeit, und ich bin wie die Deutschen", sagt Bäckermeister Özdemir. Er hat sich von ganz unten hochgearbeitet. Jahrelang ist er mitten in der Nacht aufgestanden und hat sich an den Ofen gestellt, hat 16 Stunden am Tag in der Backstube geschuftet, während seine Frau vorne am Tresen verkaufte. Inzwischen gehören Özdemir fünf Bäckereien und ein Dönerladen, er beschäftigt mehr als 60 Angestellte und hat zahlreiche Handwerkspreise gewonnen. Er gilt als deutschtürkischer Vorzeigeunternehmer.

Die Krise, sagt Özdemir, mache ihm keine Angst. Er expandiere weiter, sagt der Bäcker mit türkischem Pass: "Wir glauben an den Standort Deutschland. Auch wenn es sonst keiner mehr tut."

Hamburger Hafen

"Wenn ich in Frankfurt säße, hätte ich jetzt auch Panik", sagt die Frau, die in der Hafenlogistik arbeitet. Hier hätten sie in den letzten Jahren Zuwachsraten von 12 und 13 Prozent gehabt. Jedes Jahr seien eine Million Container mehr verschifft worden. Wenn der Handel ein wenig abflaue und es nur acht Prozent Wachstum gebe, wäre das sogar gut. "Wir konnten ja nicht mal mehr die benötigten Kapazitäten ranschaffen." Die Frau, die ihren Namen lieber nicht nennen mag, zupft an ihrem Seidenschal und blickt zufrieden hinaus auf den Hafen.

Hamburg ist Drehscheibe für den Handel zwischen Asien und dem gesamten Ostseeraum – Skandinavien, Baltikum, St. Petersburg, Polen. Milliardeninvestitionen in neue Hafenanlagen seien geplant, sagt die Frau. Vielleicht ist es diese unerschütterliche Zuversicht, gespeist aus der Saturiertheit des alten Geldes, die manche hier die Krise weit weniger dramatisch empfinden lässt. In Hamburg haben sie ihren Hafen, die Börse in Frankfurt ist weit weg. "Ob in den Containern nun Zahnstocher aus Asien importiert werden oder Maschinenteile aus Deutschland exportiert werden, ist uns zunächst mal egal", sagt sie.