Die Alte Oper in Frankfurt liegt im Schatten der Türme der Deutschen Bank. Vielleicht war es diese Nähe, die den Unternehmer Michael Popp aus der Oberpfalz zu einer bissigen Bemerkung über die Banken veranlasste, als er am Donnerstag der vergangenen Woche von den Wirtschaftsprüfern der Gesellschaft Ernst & Young als »Entrepreneur des Jahres 2008« geehrt wurde.

»Bisher haben die Banken uns gefragt, welche Sicherheiten wir zu bieten hätten«, wandte sich der Familienunternehmer, der in seiner Bionorica AG pflanzliche Arzneimittel herstellt, an die Mittelständler im Saal. »Heute fragen wir die Banken: Welche Sicherheiten geben Sie uns?«

Gejohle beim Galadinner. Für nicht wenige Unternehmer ist es eine Genugtuung zu sehen, dass die Banken in der Bedrouille sind. Es entschädigt für manche Demütigung, die Firmeninhaber auf der Suche nach Kredit erfahren haben.

Noch stärker ist das Bild der Banken bei Sparern und Anlegern ins Wanken geraten. Die Geldinstitute, die einst als ein Hort der finanziellen Potenz und Sicherheit galten, erscheinen als Wackelbuden. Obwohl die Bundeskanzlerin eine historisch einmalige Garantie abgegeben hat, hält nur eine knappe Mehrheit der Bürger das Geld bei den Banken für sicher. 37 Prozent sehen ihre Einlagen nach einer Umfrage aus der vergangenen Woche weiterhin in Gefahr.

Vielen Menschen ist nach wie vor unklar, was Angela Merkel ihnen an jenem denkwürdigen Sonntagnachmittag vor eineinhalb Wochen eigentlich zugesagt hat. Mit ihrer Formulierung (»Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind. Auch dafür steht die Bundesregierung ein«) hat die Bundeskanzlerin nach Einschätzung von Juristen eine unverbindliche Patronatserklärung abgegeben. Gesetzeskraft hat sie nicht, und sie begründet auch keinen einklagbaren Anspruch eines Sparers.

Bei einer Bankpleite würden die Sparer wie bisher zuerst aus der gesetzlichen Sicherung entschädigt. Diese garantiert jeweils 90 Prozent der Einlagen bis 20.000 Euro. Die Finanzminister der Europäischen Union haben vereinbart, die Summe auf 50.000 Euro zu erhöhen, doch das ist bislang noch nicht umgesetzt worden.

Für deutsche Sparer hat die Änderung keine große Bedeutung, denn neben der gesetzlichen Sicherung gibt es noch weitere Systeme, die von den verschiedenen Bankengruppen in Eigenregie betrieben werden. Sie bieten den Sparern einen im Grunde unbegrenzten Schutz ihrer Einlagen (Sparbücher, Sparbriefe, Giroguthaben, Tagesgeld, Festgeld). Allerdings sind all diese Einrichtungen für Einzelpleiten konzipiert und würden im Falle eines Bankendominos nicht ausreichen. Schon eine Großpleite wie ein Zusammenbruch der Deutschen Bank oder der Postbank würde die Systeme überfordern.