In der vergangenen Woche erreichte der Arbeitsmarkt einen historischen Stand: Erstmals seit 16 Jahren fiel die Zahl der Arbeitslosen wieder unter die Schwelle von drei Millionen. Das haben jedenfalls Experten vom Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit ausgerechnet. Ob ihre Hochrechnung richtig ist, werden erst die offiziellen Arbeitsmarktdaten Ende Oktober zeigen. Ende September wurden noch 3,08 Millionen Menschen ohne Job gezählt. Klar ist in jedem Fall: So gut wie heute war die Beschäftigungslage in der Bundesrepublik seit langer Zeit nicht mehr.

In der vergangenen Woche erreichten aber auch Turbulenzen historischen Ausmaßes den deutschen Arbeitsmarkt. Erstmals wirkten sich die Erschütterungen der Finanzkrise auf die Beschäftigungspläne von Unternehmen aus: Der Softwarekonzern SAP und Medienunternehmen wie der Verlag Gruner+Jahr verhängten Einstellungsstopps. Autohersteller wie Opel, BMW und Daimler strichen Schichtpläne zusammen oder kündigten an, ganze Werke wochenlang stillzulegen.

Ford in Saarlouis wird 204 Leiharbeiter wegschicken. Zulieferer wie Knorr-Bremsen in München kündigten ebenfalls an, Stellen von befristet Beschäftigten und Leiharbeitnehmern abzubauen. Auch im Textil- und im Druckmaschinenbau ist von Kurzarbeit und Stellenkürzungen die Rede. Zwar überwiegen noch immer die bei anderen Firmen geschaffenen Stellen, klar ist aber in jedem Fall: Die Beschäftigungsaussichten werden von Tag zu Tag schlechter.

Das ist nicht allein eine Folge der Finanzkrise. Die Konjunktur verliert in vielen Ländern schon seit einem knappen Jahr an Fahrt. Hinzu kommen die speziellen Probleme einzelner Unternehmen oder ganzer Branchen. Viele Autohersteller leiden etwa unter dem stark schwankenden Ölpreis und einer falschen Modellpolitik.

Die Ursachen sind also vielfältiger, als es die Aufregung um die aktuelle Banken- und Börsenkrise suggeriert. Fest steht aber, dass sich die guten Zeiten am deutschen Arbeitsmarkt dem Ende zuneigen. Schon bald dürfte die Arbeitslosigkeit wieder steigen. Und das womöglich sogar schneller als in früheren Abschwüngen. Der Grund dafür ist, dass es heute weit mehr schlecht abgesicherte Arbeitsplätze gibt als in früheren Zeiten. Und die lassen sich ohne viel Federlesen streichen.

Rund 800.000 Menschen sind als Zeitarbeitnehmer beschäftigt, etwa 2,7 Millionen haben nur einen befristeten Vertrag. So könnte in der Krise die Kehrseite eines flexibleren Arbeitsmarktes zum Vorschein kommen: Jobs werden schneller geschaffen, aber auch schneller wieder vernichtet.