Es war nur eine Frage der Zeit, bis jemand fordern würde, deutsche Banker wegzusperren. Peter Sodann, Fernsehkommissar und Präsidentschaftskandidat der Linkspartei, hat diese Rolle übernommen – und er kann sich einer breiten Zustimmung sicher sein. Das Ansehen der Finanzmanager ist auf einem Tiefpunkt angelangt. Die Branche hat sich so schwer verzockt, dass sie ohne Staatshilfe nicht überleben kann. Aber nicht einmal jetzt, da Steuergelder in Milliardenhöhe bereitgestellt werden, ist so etwas wie Demut oder Reue zu spüren.

Einige Spitzenbanker sind zu Symbolfiguren geworden. Sie lösen Zorn aus, ihr Verhalten wird darüber entscheiden, ob das kapitalistische Wirtschaftssystem bei den Bürgern jeglichen Kredit verliert. Für diese historische Rolle haben sie kein Gespür. Denn sie sind ja – Banker.

Wenn die Finanzbranche ihrer staatsbürgerlichen Verantwortung nicht gerecht wird, so liegt das allerdings auch am System. Banker sind unter normalen Umständen nicht auf öffentliche Zustimmung angewiesen, sondern beziehen ihre Legitimation – wie andere Firmenlenker auch – aus dem individuellen Geschäftserfolg. Man kann lange darüber diskutieren, ob dieses Prinzip richtig ist: Den Wohlstand der Welt hat es in jedem Fall enorm gesteigert, und ob nach der Krise unter dem Strich ein Verlust übrig bleibt, steht noch längst nicht fest. Jetzt aber benötigt die Finanzbranche Staatshilfen – damit hat sie die eindimensionale Sphäre des ökonomischen Diskurses verlassen und die mehrdimensionale politische Arena betreten. Hier zählt nicht mehr allein die Rendite, hier zählen Werte, Gesten, Haltungen. Hier fordert man von den Bankern, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, sie sollen sich nicht länger nur individuell, sondern auch kollektiv rational verhalten.

Deutschlands Banker sind damit, von wenigen Ausnahmen abgesehen, hoffnungslos überfordert. Sicher, die Deutsche Bank will ihre Bonussysteme reformieren und die kurzfristige Spekulation eindämmen. Sie gibt das viel kritisierte – und gesamtwirtschaftlich schädliche – Ziel auf, eine Rendite von mindestens 25 Prozent erzielen zu wollen. Richtig ist auch: Die Chefs der großen Häuser haben zusammengearbeitet, als es darum ging, den völligen Zusammenbruch des Kreditwesens abzuwenden. Doch die Märkte sind derzeit ohnehin am Boden, da fällt es leicht, Renditeziele abzuschwächen. Sobald die Zeiten wieder besser sind, werden die Erwartungen nach oben geschraubt werden. Und was die Kooperation angeht: Nur wenn etwas für das eigene Haus herausspringt, rückt man zusammen.

Deshalb ist es aus der Sicht von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann nur konsequent, wenn er sinngemäß verkündet, er brauche keine Staatsgelder und sei stolz darauf. Diese Aussage ist, gesamtwirtschaftlich gesehen, gefährlich, denn sie schreckt hilfsbedürftige Banken ab. Sie ist, streng genommen, auch falsch, denn natürlich profitiert Ackermann von den Staatshilfen für andere Banken, auch wenn er selbst kein Geld annimmt. Der Kollaps des gesamten Finanzsystems – zu dem es ohne die Stütze der Regierung wahrscheinlich gekommen wäre – hätte auch die Deutsche Bank mit in den Abgrund gerissen. Deshalb hat sich Ackermann auch schon sehr früh für jenen Rettungsschirm ausgesprochen, den er jetzt für sich selbst ablehnt. Die Politik mag erbost sein, aus Sicht eines Aktionärs der Deutschen Bank aber handelt Ackermann äußerst geschickt: Er erhält indirekt Stütze vom Staat und vermeidet die damit verbundene Stigmatisierung.

Ein kluges Krisenmanagement kennt keine Rache

Ist das schlimm? Nicht wenn man sich von dem Gedanken verabschiedet, dass ein guter Banker zwingend auch ein guter Staatsbürger sein muss. Viel wichtiger ist, ob Deutschlands Banker gute Banker sind. Und hier gilt: Wie überall auf der Welt haben sie Risiken falsch eingeschätzt und eine gewaltige Finanzblase genährt. Aber es gibt Unterschiede – und sie deuten darauf hin, dass es, um eine Bank zu führen, womöglich genau jene Eigenschaften braucht, die in der Öffentlichkeit sanktioniert werden. Der abgehobene Ackermann hat sein Haus im Griff, die Deutsche Bank steht im internationalen Vergleich solide da. Der joviale Erwin Huber, bayerischer Finanzminister und Dauergast in den Talkshows des Landes, muss dagegen beim Bund um 5,4 Milliarden Euro für seine Bayerische Landesbank betteln. Das sollten all jene bedenken, die jetzt die Gunst der Stunde nutzen wollen, um die immer schon beabsichtigte Verstaatlichung der Wirtschaft voranzutreiben.