Als Kind konnte ich mir nicht vorstellen, dass es bessere Autos gibt als Volkswagen und Audi. Ich bin in einer Stadt namens Baunatal aufgewachsen, in der ein riesiges VW-Werk steht, was schön war, weil der Konzern viele Steuern bezahlte und die Stadt davon ein Freizeitbad mit Doppelrutsche und einen Abenteuerspielplatz mit Wackelbrücke bauen konnte. Die Sozialisation in Sachen Autos verlief in Baunatal allerdings recht simpel: VW und Audi waren das Beste, der Scirocco das Allerbeste, Opel und Japaner gingen gar nicht, BMW fuhren zu alte Männer mit zu jungen Freundinnen, Mercedes nur reiche Rentner.

Der coolste Typ aus meiner Grundschule hatte eine große Sammlung abgebrochener Mercedessterne. Er war stolz auf sich, wir auf ihn, und seine Eltern duldeten das Ganze mit klammheimlicher Freude. Als ich den Auftrag bekam, den Mercedes CLC 350 zu testen, holte mich meine Kindheit ein: Ich hatte Angst, plötzlich zur Kaste der Benz-Rentner zu gehören. Angst vor dem Spott meiner Freunde.

Doch als der CLC vor meiner Tür steht, wirft er in zehn Minuten meine Auto-Sozialisation vollständig über den Haufen. Der Wagen sieht überhaupt nicht aus wie ein Rentner-Benz. Die Schnauze wirkt kraftvoll, die Seitenlinie ist ein Musterbeispiel für jugendliches Auto-Design. Man kann das Dach fast ganz öffnen, und man fühlt sich dann beinah wie im Alfa Spider. Nur die getönten Scheiben hinten erinnern mich an die Typen, die stets mit großen Kenwood-Aufklebern auf der Heckscheibe herumfuhren.

Selbst bei Tempo 120 auf der Autobahn strahlt der CLC eine unglaubliche Dynamik aus. "Freude am Fahren" – wenn dieser Claim für irgendein Auto stimmt, dann für dieses. Plötzlich tauchen viele schöne Benz-Szenen aus meinem Unterbewussten wieder auf. Hatte ich nicht mal unter dem riesigen Mercedesstern auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof ein großartiges Mädchen geküsst? Und hatte sich nicht auch der coole Bruder eines Freundes einen Benz gekauft? Und konnte ich nicht auch Oh Lord, won’t you buy me a Mercedes Benz auf der Gitarre spielen?

Ich parke vor dem Haus, in dem ich in Hamburg wohne. Ein Nachbar läuft vorbei. "Oh, was ist denn das für ein Auto?", fragt er. "Ein Mercedes", sage ich. "Echt?", fragt er. Echt!

Technische Daten
Motorbauart: 6-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 200 kW (272 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 6,3 s
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
CO²-Emission: 227 g/km
Durchschnittsverbrauch: 9,5 Liter
Basispreis: 36.086,75 Euro