Nur noch zehn Wochen – dann beginnt schon das Jahr, in dem wir uns alle ein wenig so fühlen werden wie Bill Murray in Und täglich grüßt das Murmeltier. Albtraumhaft werden wir immer wieder denselben Sonntag erleben. Wir werden aufstehen, die Zähne putzen, uns anziehen – und zur Wahlurne trotten. Sonntag für Sonntag. Kommunalwahl, Landtagswahl, Europawahl, Bundestagswahl, Bundespräsi … ach nein, da dürfen wir ja gar nicht trotten. Aus demokratietheoretischen Gründen. Oder weil dann Samstag ist.

Jedenfalls bereiten sich die Parteien schon intensiv auf das Superwahljahr vor, stellen Wahlkampfteams zusammen und engagieren Werbeagenturen, sich für viel Geld Wahlslogans auszudenken, die im Internet bloß einen Mausklick kosten. Unter www.sloganizer.net kann man beispielsweise "SPD" eingeben, klickt dann "Sloganize!" an – und schon sind die Sozialdemokraten auf dem Weg zum Wahlsieg: "Ich habe immer Bock auf SPD". Schöner könnte das auch die Werbeagentur "Zum goldenen Hirschen" nicht plakatieren! Absolut Jung-von-Matt-fähig auch, was der Sloganizer sonst so entwirft: "CDU – was sonst", "Das kleine Wunder hat einen Namen: FDP", "Die Grünen. Ein schönes Leben noch". Bei der Linkspartei dann übertrifft der Sloganizer sich selbst. Erst spuckt er "Die Linke – und du willst immer mehr" aus und dann "Peter Sodann – irgendwann ist der Spaß vorbei". War er bei Bill Murray ja auch. Nur bekam der am Ende immerhin Andie MacDowell. Sodann bekommt noch nicht mal Eva Köhler. Peter Dausend