Da liegen sie. Drei Männer im Dreck. Ein beinahe märchenhaftes Bild. Man meint fast, das Schnarchen der plumpen Gesellen zu hören. Aber läge wirklich jemand gern dabei und fühlte das schwere Rumoren im Darmtrakt? Wer wollte die Hose spüren, die über dem aufgeblähten Wanst spannt? So lag es sich damals, in Pieter Breughels Schlaraffenland aus dem Jahre 1566. Aber für wen wäre das heute noch ein Sehnsuchtsort? Wen locken noch Eierkuchen und Mauern aus Hirsebrei? Wem läuft das Wasser im Munde zusammen beim Anblick praller Blutwürste oder Kakteen aus Brot? Heute wäre das Paradies fraglos ein fettarmer Platz, kalorienreduziert und zuckerfrei, bevölkert von straffen Schenkeln und durchtrainierten Oberkörpern. Wer legt sich denn noch auf die faule Haut hierzulande? Ach, wir sind mager geworden in Deutschland. wfg

Damals: 1566

Abb.: Pieter Brueghel d. Ae. "Schlaraffenland", 1566, Alte Pinakothek München, akg-images