Wenn die Dämmerung über Südafrika hereinbricht, machen sich Paviane auf den Weg von den Bergen hinunter zur weißen Gischt des Flusses Oranje. In der sanften Kühle des Abends sitzen Mütter und Kinder der Townships vor ihren windschiefen Holzverschlägen hinter dem Tafelberg, in den Hochhäusern von Durban gehen die Lichter an. Das sind nur einige von vielen Augenblicken, die der Fotograf Jörn Vanhöfen für seinen Bildband über Südafrikas Küste festgehalten hat. Mehr als fünf Monate hat er das Land auf Motivsuche durchwandert. Immer am Meer entlang, insgesamt 2500 Kilometer, vom atlantischen Nordwesten am Rand Namibias über Kapstadt im Süden bis hin zum äußersten Osten am Indischen Ozean, an der Grenze zu Mosambik. Entstanden sind poetische Bilder von ausgedörrtem Land, üppiger Vegetation, eingezäunten Retortensiedlungen, Urwäldern, Lagunen, dem Tafelberg – und immer wieder: dem Meer. Grandiose Kulissen, in denen seit langer Zeit Geschichten von Ausbeutung und sozialer Diskriminierung spielen. Vanhöfen verschließt sich den Schattenseiten nicht. Seine Aufnahmen zeigen auch, welche Narben die Vergangenheit hinterlassen hat. CHB

Nikolaus Gelpke (Hrsg.): "Südafrikas Küste". Fotografie von Jörn Vanhöfen, Text von Zora del Buono; Marebuchverlag, Hamburg 2008; 136 S., 49,– €