hörbuch

"Das ist doch genau das, was wir nicht tun sollen!", entgegnete ein britischer Historiker, als Fritz Stern ihm erzählte, ein Buch über sein Leben mit Deutschland zu schreiben. Tatsächlich ist die Vermischung von Wissenschaft und eigener Erinnerung für einen Historiker riskant. Doch akribisch wie seine Quellen über Bismarck, seinen Bankier Bleichröder (Gold und Eisen) und die antiliberale Tradition der deutschen Geistesgeschichte (Kulturpessimismus als politische Gefahr) studierte er nun die Briefe seiner Eltern und die eigenen Tagebücher. Der Amerikaner Stern blickt auf fünf Deutschlands: die Weimarer Republik, deren Ende der 1926 in Breslau Geborene erlebte, fünf Jahre Nationalsozialismus, in denen das Kind noch die "Nadelstiche des Terrors" zu spüren bekam, und das dritte Deutschland, die BRD, in die er schon früh zu Besuchen zurückkehrte. Hier fand der Autor Freunde wie Marion Gräfin Dönhoff, hier sprach er 1987 als erster Ausländer vor dem Deutschen Bundestag. Die DDR, das vierte Deutschland, wurde ihm nie sympathisch, doch betonte er oft, sie habe es schwerer gehabt als die BRD. Für das fünfte sorgte Stern schließlich selbst. Als einer von fünf Historikern vertrieb er 1990 der skeptischen Margaret Thatcher ihr militaristisches Deutschlandbild aus und ebnete den Weg zur Wiedervereinigung.

Als Geschichte eines aus der Distanz wahrgenommenen Landes ist Fünf Deutschland und ein Leben eine eindrucksvolle Autobiografie. Die Hörbuchedition verbindet die gelesenen Buchpassagen mit Interviews, der engagierte Zeitzeuge Fritz Stern trifft auf den glänzenden Wissenschaftler. Rainer Burkard

Fritz Stern: Fünf Deutschland und ein Leben

Hoffmann & Campe, 29,95 €