Gartenstuhl aus Frankreich. Er findet sich auf vielen impressionistischen Gemälden. Im Regal die ersten BugholzstühleFauteuil 6009 von Thonet. Die Eleganz dieses Stuhls mit seinen unter Hitze gebogenen Armlehnen begeisterte den Architekten Le Corbusier 19041880

Korbsessel aus DDR-Produktion von Bruno Fliers.Dahinter: Möbel der Brüsseler Weltausstellung 1958Stuhl aus dem Atelier Troost in München.

Dieses Modell war für NSDAP-Büros gedachtPlastikstuhl von Hans Theodor Baumann. Der deutsche Designer experimentierte als einer der Ersten mit Plexiglas Stummer Diener von Hans-Joachim Wegner. An der Lehne des Stuhls lässt sich ein Jackett aufhängen1953195219361958Crosby von Gaetano Pesce. Bunt, wild, postmodern wie die neunziger Jahre. Dahinter: Monoblocks aus Vietnam 199819691986Skopa von Olle Gjerlöv-Knudsen und Torben Lind. Einer der ersten Ikea-Stühle in Deutschland1974

Draußen fliegen die Hopfenfelder der Hallertau vorbei. Der VW-Bus gibt alles, aber alles ist gerade nicht genug für Florian Hufnagl. Er hat gelernt, mit einer Hand am Steuer zu bleiben, während die andere eine Packung Players öffnet und eine Zigarette entnimmt, sie entzündet und die eben geleerte Packung zerknüllt und in den Fußraum plumpsen lässt. Hufnagl raucht, als werde er von Tabak angetrieben. Der Bus braust Hufnagls Schatz entgegen. Er will nicht bekannt geben, wo genau er sich befindet. Sonst kämen sie alle und würden mit ihren Leberkäsefingern seine Schmuckstücke begrabbeln. Am liebsten würde Hufnagl seinem Beifahrer die Augen verbinden auf der Fahrt dorthin.

Florian Hufnagl ist der Chef der Neuen Sammlung in der Münchner Pinakothek der Moderne. Dort sind einige Tausend Objekte ausgestellt, die die Höhepunkte des Industriedesigns markieren. Von der Treetrunk Bench des Niederländers Jurgen Bey, einer Bank, die aus einem Holzstamm und Stuhllehnen besteht, bis zum Tatra 87, dem ersten aerodynamischen Auto, gebaut in der Tschechoslowakei. Aber es gibt noch eine weitere Sammlung. Eine, die bislang kaum jemand zu Gesicht bekam. Obgleich sie spektakulärer nicht sein könnte: Florian Hufnagl hortet die größte Kollektion an Industriedesign-Objekten der Welt. Sie beinhaltet über 70000 Stücke. Ein gigantisches Archiv der Neuzeit.

Mancher kennt Mark Jones, den Chef des Victoria and Albert Museum in London. Oder Paola Antonelli, die schillernde Kuratorin des Metropolitan Museum of Art in New York. Aber wer ahnt schon, dass Florian Hufnagl eine der wichtigsten Figuren der internationalen Designszene ist?

Hufnagl beschäftigt sich den ganzen Tag mit schöner Gestaltung. Dabei sieht er selbst aus wie ein Protest gegen gefällige Formen. Mächtig stemmt sich alles an ihm gegen gängige Körperkonventionen. Die Zähne in seinem Mund sind eher Mahnmale als Gebiss. Sicher, er hätte was dagegen tun können. Aber leider gibt es immer Wichtigeres in seinem Leben.