Gerade ist der Popsänger James Blunt wieder in Deutschland unterwegs. Weil alle Blunts Soldaten waren, wurde auch er einer, und dann musste er ins Kosovo, 1999. Da roch die Luft nach Tod, jedenfalls hat Blunt das so aufgeschrieben in einem Lied, es heißt No Bravery.

Wenn man nicht auf den Text hört, könnte es auch eines der anderen melancholischen Liebeslieder Blunts sein, aber wer die Vorurteile gegen ihn kurz hintanstellt, kann auch merken, dass hier jemand Schmerzen teilen will. Es soll halt nur nicht allzu wehtun. James Blunt hält seine Gitarre stets wie ein kleines Kind im Arm.

Derweil entsichert auf der Donaueschinger Bühne mal wieder Dror Feiler sein Instrument. Feiler ist jetzt Ende fünfzig, er hat viele Kriege gesehen. Wenn man 1951 in Tel Aviv geboren wurde und erst einmal 20 Jahre lang im Land blieb, war das unvermeidlich. Feiler lebt schon lange in Schweden, aber er fährt den Kriegen, die er für seine Kunst braucht, von dort aus hinterher, wenn es sein muss.

Bei den Donaueschinger Musiktagen hat er gleich mehrere donnernde Auftritte. In der Fußgängerzone laufen bis spät in die Nacht seine Videos, er spielt das Anfangs- und das Schlusskonzert. Sein Kampfanzug besteht aus weiten Baumwollsachen. Jedes andere Material würde Feiler einschnüren und umbringen. Ihm steht die Wut meistens bis zur fast platzenden Halsschlagader. Das Sopransaxofon hält er wie ein Gewehr.

Feiler will, dass seine Musik wehtut, und wenn es um Liebe geht, ist diese immer weit weg. Am Ende gibt es sie gar nicht. Am 1. März dieses Jahres filmt Feiler im kolumbianischen Dschungel ein paar Untergrundkämpfer, wie sie, mit abgewandtem Gesicht, Lieder voller Glauben und Hoffnung singen. Ein paar Stunden später sind alle diese Menschen tot.

Feiler tobt. Er schüttelt einen Schellenkranz in der rechten Hand, ballert gleichzeitig die Bässe aus seinem Laptop heraus und bläst mit einer Gewalt ins Rohr, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt: flüchten oder standhalten. Halat Hisar ("Belagerungszustand") heißt ein Stück von ihm, das die Musiker vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Anfang des Jahres nicht spielen wollten, weil ihnen die Gehörgänge glühten, als die Session mit andauernden Maschinengewehrsalven begann.

Dabei kann Feiler auch anders, weniger penetrant. Dann filmt er die kümmerlichen Töne der ärmsten Straßenmusiker auf der ganzen Welt und setzt das Ganze zu einer Collage zusammen. Oder er schickt die örtliche Stadtkapelle hinter einem Müllwagen her, auf dem der unerschrockene Dirigent Christian Feierabend den Korso durch Donaueschingen leitet, als sei Karneval. Am letzten Abend sehen sich alle, inklusive Auto, in der Halle wieder. Diesmal liegen sogar Ohrstöpsel aus, aber dann ist es doch höchstens halb so laut wie bei AC/DC: Let there be revolution!