Die schwarzen Fürsten kamen aus Afrika. Aus dem fernen Sierra Leone ins schwäbische Heilbronn. Und kündeten von den Schätzen ihrer Heimat. »Das ganze Gold könnte bald schon Ihnen gehören«, versprachen sie. Wenn es denn erst einmal das Tageslicht erblickt habe. Denn noch sei das edle Metall ja in der Erde versteckt und die Erschließung teuer. Aber wer sich jetzt beteilige, dem winke ein Vielfaches seines eingesetzten Kapitals. Alle würden reich werden, reicher, als es sich die braven Ärzte, Anwälte und Kaufleute in ihren bürgerlichen Berufen jemals erträumten, versprachen sie.

Und so gaben die wohlsituierten Honoratioren, ansonsten eher Anhänger von Sparbüchern und Bausparverträgen, Hunderttausende DMark. Sie quartierten die vermeintlichen Goldminenbesitzer im vornehmsten Hotel der Stadt ein, bewirteten sie mit schwäbischen Leckereien und schenkten ihnen sogar Farbfernsehgeräte und Stereoanlagen. Es war Anfang der achtziger Jahre, als ganz Heilbronn dem Glanz des Goldes längst verfallen war.

Dabei war die Welt damals halbwegs in Ordnung. Zumindest funktionierten die Finanzmärkte noch, und auch die Börse spielte nicht verrückt. Anders als heute, da Profis wie Privatanleger in Panik alles verkaufen, was sie auf die Schnelle versilbern können, um mit ihrem Geld in sichere Anlagen zu flüchten. Und am liebsten kaufen sie Gold. So ist der Preis für die Feinunze in den vergangenen Wochen deutlich über 900 US-Dollar gestiegen.

»Gold fasziniert die Menschen seit Tausenden von Jahren. Sein Reiz als Zahlungsmittel, als Werkmaterial für Schmuck und seine Funktion als unersetzbarer Rohstoff für die Industrie ist aus unserem Leben einfach nicht wegzudenken«, sagt Funda Tarhan von der niederländischen Bank ABN Amro. Der frühere amerikanische Notenbankchef Alan Greenspan hat Gold einst als »die höchste Zahlungsform der Welt« bezeichnet. Papiergeld werde im Extremfall von niemandem entgegengenommen, Gold dagegen immer.

Der Faszination des Goldes erliegen Menschen aller Kulturkreise. Mit steigendem Wohlstand kaufen die Menschen in Schwellenländern immer mehr Goldprodukte. Vor allem in China und Indien wächst die Nachfrage nach Angaben des World Gold Council jährlich im zweistelligen Prozentbereich. Auch in anderen aufstrebenden Ländern Asiens, des Ostblocks und der Golfregion sind Goldpreziosen, gefertigt von Luxusjuwelieren aus Europa und den USA, ein zur Schau getragenes Zeichen des neuen Reichtums. Trotz des Nachfrageschubs infolge der Finanzkrise und aus der Industrie wird immer noch das meiste Gold – etwa 75 Prozent der Gesamtfördermenge von jährlich 2.500 Tonnen – in der Schmuckindustrie verwendet. Tendenz steigend.

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Goldpreis demnächst sein Allzeithoch von 1033 US-Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm) vom März erreicht, veranschlagen Experten als relativ hoch. So wird in der Wintersaison nicht nur zum westlichen Weihnachtsfest gern Schmuck verschenkt. Und in Indien findet Ende Oktober das Erntedank- und Lichterfest Diwali statt, zu dem Verwandte und Freunde sich nicht nur mit Tonnen von Süßigkeiten, sondern auch mit wertvollem Goldschmuck bedenken. Zudem sind die Wintermonate in Indien die beliebteste, weil kühlste Zeit für Hochzeiten. Traditionell bekommen indische Bräute zumindest einen Teil ihrer üppigen Mitgift in Gold überbracht.

Wie aber können Anleger vom neuen Rausch profitieren?