Welch ein Durchbruch! Die Internetpionierin Esther Dyson, der Psychologe Steven Pinker und sieben weitere Freiwillige veröffentlichen online Teile ihres Erbguts – jenes genetischen Bauplans, der ihren Körperbau und Stoffwechsel maßgeblich bestimmt. Spektakulär ist nicht, dass sie nun zu den wenigen gehören, deren Genom entziffert ist, sondern dass sie ihre privatesten Daten öffentlich preisgeben – zusammen mit ihrer Krankengeschichte.

Die ersten Freiwilligen, die am Personal Genome Project teilnehmen, tun einen mutigen und notwendigen Schritt. Der Harvard-Forscher George Church will die Genome von 100000 Menschen sequenzieren und sie samt Krankenakte und Lebensgewohnheiten in eine Datenbank speisen. Diese soll Forschern und Amateuren offenstehen, um Zusammenhänge zwischen Genen einerseits und Erkrankungen und Anfälligkeiten andererseits zu finden. Eine Wikipedia der Genome: Sie soll helfen, endlich mehr über das Entstehen von Krankheiten zu lernen und neue Therapien zu entwickeln.

Manche denunzieren Churchs Freiwillige als "Erbgut-Exhibitionisten" und warnen vor Risiken: Was, wenn Versicherungen Verträge kündigen, falls die Gene ein erhöhtes Krebsrisiko zeigen? Was, wenn Firmen Bewerber mit Anlagen für Depressionen ablehnen? Die Gefahr besteht – doch sie besteht ohnehin für alle: Nobody is perfect! Es ist Aufgabe der Gesellschaft, die Risiken zu debattieren und zu bannen. Churchs Aufgabe: schnell 99.991 weitere Freiwillige zu begeistern.