Es hat viele Proteste an den Hochschulen gegeben, gegen den Bologna-Prozess, das neue Dienstrecht, die Neuordnung der Fächer. Oft vermuteten die Kultusminister hinter dem Aufruhr zu Recht kaum sachliche Gründe, sondern Reformunwilligkeit, und schritten zur Tat. Doch der aktuelle Widerstand gegen die Vorverlegung der Semesterzeiten um sechs Wochen, wie sie die Hochschulrektoren planen, ist angebracht. Als Grund nennt man dort die "europäische Harmonisierung": Die meisten EU-Länder und die USA starten früher ins Semester. Tatsächlich können die bisherigen Semesterzeiten im Einzelfall Studenten wie Wissenschaftlern beim Wechsel ins oder aus dem Ausland Probleme bescheren. Die negativen Folgen der Verschiebung aber wären umfassend. Die Hochschulen entwickeln Auswahlverfahren für Studienbewerber. Bei verkürzter Zeit zwischen Abitur und Semesterstart wären diese kaum umsetzbar – eine Niederlage für die Hochschulreform. Zudem sind die deutschen Semesterzeiten ein Standortvorteil: Deutsche wie ausländische Forscher können Kurzlehraufträge an fremden Unis akzeptieren, ohne daheim ein Semester abzuschreiben. Viele US-Professoren, auch deutsche Gastwissenschaftler haben den Aufruf unterzeichnet. Die Hochschulrektoren können diesmal beweisen, dass sie wirklich nicht an Reformitis leiden. Die Reform ist überflüssig. Jan-Martin Wiarda