Das Rettungspaket für die deutschen Banken steht – doch die Geldinstitute zögern noch, die Kapitalhilfen in Anspruch zu nehmen. Bislang hat nur die Bayerische Landesbank öffentlich eingeräumt, dass sie Schutz benötigt – und 5,4 Milliarden Euro beantragt. Insbesondere die Großbanken halten sich zurück. Sie fürchten, dass ihnen eine Beteiligung von Investoren als Schwächesignal ausgelegt wird, und wollen zudem die Auflagen des Staates vermeiden.

Das könnte sich allerdings noch ändern. In Frankreich schossen die Aktienkurse der Großbanken am Dienstag nach oben, nachdem diese unter den Rettungsschirm geschlüpft waren. Mit dem staatlichen Kapital, so das Argument der Börsianer, haben sie nun einen Wettbewerbsvorteil.

Früher oder später müssen deshalb vielleicht auch Deutschlands Banken nachziehen. Skeptiker wie Stuart Graham, Analyst bei Merrill Lynch, gehen davon aus, dass allein die Deutsche Bank womöglich knapp neun Milliarden Euro aufnehmen muss, wenn sich die Lage an den Märkten weiter verschlechtert. Staatliche Hilfe könne nötig werden, auch wenn dies eine "unattraktive Option" für die Vorstände sei, so Graham.

Sollte sich herausstellen, dass die deutschen Institute dem französischen Beispiel partout nicht folgen, obwohl ihre Kapitalkraft schwindet, und sie Kredite kappen, könnte die Regierung die Teilnahme immer noch gesetzlich vorschreiben. Das ist in Großbritannien und den USA geschehen – hierzulande wurde dieser Ansatz diskutiert, galt dann aber als politisch unerwünscht.

Verwaltet werden soll der bei der Bundesbank angesiedelte Stabilisierungsfonds von Günther Merl. Er ist ein erfahrener Banker und war bis vor drei Wochen Vorstandsvorsitzender der Landesbank Hessen-Thüringen. Ihm zur Seite stehen Gerhard Stratthaus, der frühere Finanzminister Baden-Württembergs, und Karl-Heinz Bentele, ein ehemaliger Sparkassenfunktionär. Um die Besetzung war lange gerungen worden, im Gespräch war auch Bundesbankvorstand Hans Reckers.

Zugleich setzt die Regierung eine Expertenkommission zur Reform der internationalen Finanzmarktordnung ein. Sie wird geleitet von Otmar Issing, dem früheren Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB). In dem Gremium sitzen zudem der Leiter der Wirtschaftsabteilung im Kanzleramt, Jens Weidmann, Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen und Jan Pieter Krahnen, Finanzexperte an der Frankfurter Goethe-Universität. Ursprünglich hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel den früheren Bundesbankchef Hans Tietmeyer für die Aufgabe vorgeschlagen, doch nach massiven Protesten der SPD hatte Tietmeyer abgesagt.

Die Kommission soll bis Ende November Vorschläge für eine Neuordnung der Finanzmärkte entwickeln. Issing ist einer der weltweit renommiertesten Geld- und Finanzexperten. Er ist in seiner Zeit bei der EZB nicht als Verfechter strenger Auflagen für die Märkte in Erscheinung getreten, hat aber argumentiert, dass die Zentralbanken gegen eine spekulative Blase vorgehen sollen – während die US-Behörden bislang Abstinenz predigten.