Daoud Hari kann besser als jeder Reporter von außen die Lage seiner Landsleute beurteilen; er stammt aus Darfur und ist ein Zaghawa. Die Zaghawa sind ein nichtarabischer Stamm in der westsudanesischen Provinz. "Frische Spuren von großen Reifen bedeuteten Regierungsfahrzeuge und Tod. Zahlreiche frische Hufspuren bedeuteten Dschandschawid und Tod."

Seit 18 Jahren führt die Regierung in Khartoum ununterbrochen Krieg. Erst im Südsudan, jetzt in Darfur. Früher gab es keinen Konflikt der Schwarzafrikaner mit den arabischen Viehzüchtern, berichtet der gebildete Nomade aus Darfur. Die Regierung habe die beiden Gruppen aufeinandergehetzt. Mehr als 200000 Menschen seien gestorben, noch mehr sind in den Tschad vertrieben worden. Die nichtarabischen Schwarzafrikaner in Darfur werden von Präsident al-Baschirs Regierung systematisch ermordet. Die arabische Minderheit soll zu einer arabischen Mehrheit werden.

Der Autor hat Verwandte in den Dörfern, die er als Übersetzer mit den Reportern besucht. Im Land herrscht Anarchie. Keine Blauhelme weit und breit (nominell ist eine Blauhelmtruppe seit drei Jahren da), keine Helfer, keine Beobachter. Darf man – fragt Daoud Hari sich und uns – einen Genozid in diesem Jahrhundert verüben? Ob die Vertriebenen nach Darfur heimkehren dürfen, entscheide auch darüber, ob Völkermord als Methode funktioniert oder nicht.

Sein Buch sei ein "armseliges Humpeln". Längst nicht jede Geschichte habe er erzählt, die erzählenswert sei. Der Autor zitiert ein Sprichwort der Zaghawa: "Wenn Gott dir schon ein Bein brechen muss, so wird er dir zumindest das Humpeln beibringen!" Rupert Neudeck

Daoud Hari: Der Übersetzer

Leben und Sterben in Darfur; Karl Blessing Verlag, München 2008;

255 S., 19,95 €