Bei allen Dingen gibt es ein Außen und ein Innen, und beides hat manchmal nur bedingt miteinander zu tun – das wusste er schon von Berufs wegen. Und bei ihm war der Gegensatz zwischen Innenleben und Außenwirkung mehr als ausgeprägt. Denn während er international als Meister seiner Zunft und großer Visionär verehrt wurde, dilettierte er im Privatleben scheinbar ziellos herum. So erzählte es zumindest eine seiner Töchter posthum im Interview (sie selber war Tänzerin und Schauspielerin geworden): "Er hatte wenig Interesse an uns Kindern, wenig Verantwortungsgefühl … drei Töchter, das war dreimal eine Enttäuschung, weil sich mein Vater immer einen Sohn gewünscht hat. Nach seinem Tod erfuhr ich übrigens, dass er einen unehelichen Sohn hatte … in Rumänien … um den hat er sich aber auch nicht gekümmert."

Immerhin schaffte es die Tochter, ihm sein Casanova-Naturell nicht länger nachzutragen, wie sie ebenfalls verriet: Es mache sie glücklich, "dass es meinem Vater und mir in den letzten drei Jahren seines Lebens gelungen ist, eine wunderbare Freundschaft zu begründen, sodass eigentlich die Story des Nicht-Vaters sehr positiv endet". Das war in der Tat fast ein privates Happy End, zumal für ihn. Hatte es ihn doch die meiste Zeit erstaunlich wenig gekümmert, wie es seinen Kindern ging – auch nicht, als diese Hunger und Bedrohung ausgesetzt waren, während er im fernen Ausland zum Star der Szene aufstieg.

Da war er immerhin schon über 50. Und berüchtigt für seine Herrschsucht und Egomanie bei den kurzzeitig wechselnden Lebensabschnitts-Begleiterinnen, aber ebenso im Kollegen- und Kundenkreis. "Das Wort Kompromiss kommt in seinem Wortschatz nicht vor", hieß es, und dass er sich seiner Sache allzeit sicher sei, manchmal zu sicher. Entweder lief alles nach seinen Wünschen, perfekt bis ins kleinste Detail – oder es lief gar nichts.

Doch dann gab ihm der nächste Erfolg wieder recht und ließ die Zweifler verstummen. Und es waren ja auch bleibende Zeichen, die er hinterließ. Betrachtet man sein Gesamtwerk, hat er über lange Jahre fast immer neue Maßstäbe gesetzt, radikal, umstritten, gleichwohl bewundert. Die Materialien, die er benutzte, stehen heute nach wie vor für seinen Namen: Stahl, Glas, Marmor. Oder auch Seide und Ebenholz.

Angefangen hatte er seine Laufbahn in einer kleineren Domstadt im Westen. Der Vater, ein Steinmetz, hatte das Talent des Sohnes bemerkt und ihn früh gefördert. Diese solide handwerkliche Ausbildung als Maurer und Zeichner war denn auch die Grundlage für das, was kommen sollte.

Vielleicht hat er sich ja an die Stadt seiner Herkunft erinnert, als man ihn – kurz vor seinem Tod – einmal fragte, was er noch gern gebaut hätte, wenn er die Möglichkeit dazu gehabt hätte? Jedenfalls kam eine Antwort, die alle Welt verblüffte: "Eine Kathedrale."

Wer war's?