Die Leute kommen auf die seltsamsten Vermutungen, wenn sie über die Streifenmuster im Rasen der Fußballstadien nachsinnen. Etwa dass sie durch zwei verschiedene Grassorten mit unterschiedlicher Farbe zustande kommen. Oder dass die hellen Streifen kürzer gemäht werden als die dunklen. Da könnten ja die Spieler glatt über diese "Stufen" stolpern!

Tatsächlich aber hat die Farbe nur etwas mit der Richtung des Mähens zu tun. Allerdings sind die meisten Hobbygärtner schnell frustriert, wenn sie das im eigenen Garten mit ihrem Rasenmäher nachzumachen versuchen: Es sind kaum Streifen zu erkennen, und wenn man ein paar Minuten Fußball gespielt hat, sind sie verschwunden.

Der Grund dafür ist einfach. Die Profis im Stadion mähen mit anderem Gerät. In denen rotiert kein Messer um eine vertikale Achse wie in den meisten Heim-Mähern. Für die Spielstätten der Bundesliga werden sogenannte Spindelmäher benutzt. Sie haben eine horizontale Achse, so wie die alten Handrasenmäher. Und außerdem verfügen sie vorn und hinten über eine Walze, die hintere ist ziemlich groß und schwer. Durch deren Gewicht werden die Grashalme dauerhaft verbogen (aber nicht geknickt!). Schaut man dann in Mährichtung auf das Gras, so sieht der Rasen heller aus als aus der entgegengesetzten Perspektive.

Im Lauf der Zeit ersannen die Rasenpfleger der Proficlubs immer wildere Mäh-Muster für ihre Spielfelder. Daher sah sich nach der EM 2004 die Fifa zu hartem Durchgreifen gezwungen: Der Verband legte in strengen Regeln fest, wie die Streifen der Grasnarbe auszusehen haben. Seither müssen zum Beispiel die Grenzen zwischen Hell und Dunkel exakt durch die Strafraum-, die Mittel- und die Fünfmeter-Linie laufen. Immerhin: Ein so gepflegtes Normmuster macht es auch dem Linienrichtergespann leichter, während des Spiels einen Abseitsverstoß zu erkennen. Christoph Drösser

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