Es sind Worte der Stärke, die die deutschen Versicherer derzeit von sich geben. "Wir sind in dieser Krise derjenige, der aufrecht geht", sagt Nikolaus von Bomhard, Chef der Münchener Rück. Michael Diekmann, Vorstandschef des Branchenprimus Allianz, bezeichnet das Wertpapierportfolio seines Konzerns als "eines der sichersten überhaupt". Und beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) heißt es: "Dies ist keine Krise der Versicherungen, sondern eine Krise der Banken."

Eine ganze Branche setzt sich ab. Bemüht, sich aus der Diskussion über die Finanzwirtschaft und das 500-Milliarden-Euro-Paket des Bundes herauszuhalten. Es sei nicht zu erwarten, dass ein deutscher Versicherer den Rettungsfonds in Anspruch nehmen werde, tat von Bomhard kund, auch andere wie die Nürnberger Versicherungsgruppe winkten ab. Bei der Allianz will man "erst nach einer eingehenden Prüfung" eine Entscheidung fällen, der Konzern sei indes "gut kapitalisiert", es bestehe "kein direkter Bedarf" an Staatshilfen.

Allein, die Zeichen mehren sich, dass die Finanzkrise zunehmend auch die Versicherer erreicht. Am Dienstag erklärte die Hannover Rück, infolge neuer Abschreibungen sei das für 2008 gesteckte Ziel nicht mehr zu erreichen. In den Wochen zuvor hatten die Wüstenrot & Württembergische und ihre Lebensversicherung Prognosen für dieses Jahr zurückgezogen, die Münchener Rück musste die ihre zumindest reduzieren. Dass die Versicherungsbranche sich mit einer Bürgschaft in Höhe von 1,4 Milliarden Euro an dem Rettungspaket für die Krisenbank Hypo Real Estate beteiligt hat, belegt zudem, wie eng man mit den Banken verzahnt ist.

Den Firmen geht das Geld nicht aus, weil die Beiträge stetig fließen

Selbstbewusst sind die Versicherer, weil ihnen anders als den Banken auch in der Finanzkrise kein Versiegen des Geldflusses droht. Monat für Monat gehen den gut 450 Unternehmen Versichertenbeiträge zu, allein 2007 waren es 162 Milliarden Euro. Zudem hat die Assekuranz im Vergleich zu den Kreditinstituten bisher nur geringe Abschreibungen auf spekulative Wertpapiere vornehmen müssen. Die Gründe dafür, heißt es in der Branche, seien das vor Jahren verschärfte Risikomanagement sowie strenge Vorgaben des Versicherungsaufsichtsgesetzes. Danach dürfen Versicherer "neben Versicherungsgeschäften nur solche Geschäfte betreiben, die hiermit in unmittelbarem Zusammenhang stehen". Ein Fall wie AIG sei in Deutschland nicht denkbar. Der größte US-Versicherer hatte sich mit Transaktionen abseits des Kerngeschäfts verhoben und sich vor Kurzem in die Arme des Staates gerettet.

Spuren hinterlässt die Finanzkrise dennoch. So drohen infolge von Bankenpleiten in den USA womöglich noch Schadenszahlungen. Vor allem aber der weltweite Abwärtstrend an den Aktienmärkten reißt Lücken. Zwar haben viele Versicherer den Großteil ihrer Gelder in festverzinsliche Wertpapiere gesteckt, der Aktienanteil liegt im Schnitt bei 7,8 Prozent. Allein die Lebensversicherer aber haben knapp 700 Milliarden Euro angelegt. Im zweiten Halbjahr 2008, heißt es in der Branche, sei mit "erheblichen Abschreibungen" zu rechnen. In den Jahreszahlen werde die Entwicklung "deutliche Spuren" hinterlassen, sagt Karin Clemens von der Rating-Agentur Standard & Poor’s.