Omar Aiad liebt seine Uniform. Selbst in seinem Mobiltelefon hat er Fotos gespeichert, die ihn in voller Montur zeigen. Stundenlang hat er sein scharlachrotes Barett in Wasser eingeweicht und dann nass aufgesetzt, damit es sich perfekt an seinen Kopf anpasst. Sorgfältig hat er die Stiefel mit den Metallbeschlägen poliert, die bei jedem Schritt klackern. Einmal spazierte er in diesem Aufzug über die Mariahilferstraße. "Jeder schaut dich dann so an", sagt der kräftige 19-Jährige und reißt die Augen ganz weit auf. "Ein Polizist hat sogar vor mir salutiert." Mit so viel Respekt hat der Sohn ägyptischer Einwanderer nicht gerechnet. Er, der Muslim, der in der U-Bahn immer wieder wegen seines dunklen Teints als "Scheißausländer" beschimpft wurde, wird plötzlich geschätzt.

Seit Mai leistet Aiad seinen Präsenzdienst beim Gardebataillon in der Wiener Maria-Theresien-Kaserne ab. In dieser Einheit repräsentiert er Österreich bei festlichen Anlässen. Zudem werden die Rekruten auch zu Infanteristen ausgebildet und können jederzeit als Kampftruppe eingesetzt werden. Intern halten viele Präsenzdiener die Garde für eine Art Strafkompanie, in der diejenigen landen, die sich in anderen Einheiten nicht bewähren. Aiad hingegen genießt das Exerzieren, die Gefechtübungen und vor allem "das Ausrücken" bei Staatsbesuchen. "Als Muslim wirst du nur im Bundesheer als Österreicher anerkannt", sagt er.

Wer nicht zum Bundesheer geht, wird als Weichei verspottet

Jedes Jahr sind rund 1200 Grundwehrdiener Muslime. Auch bei der Angelobung an diesem Nationalfeiertag werden wieder Angehörige der islamischen Glaubensgemeinschaft ihren Fahneneid leisten – für sie und ihre Familien ein stolzer Augenblick. Während in der Politik, in den Schulen und am Arbeitsplatz diskutiert wird, wie man die 340000 heimischen Muslime besser integrieren könnte, stehen die Söhne türkischer, ägyptischer oder afghanischer Einwandererfamilien seit Jahren ganz selbstverständlich in Reih und Glied mit gebürtigen Österreichern. Ausgerechnet in der Garde, dem Aushängeschild des Bundesheers, machen sie sogar 40 Prozent aus

Beim Bundesheer sind Muslime in Uniform seit Langem Bestandteil des Alltags. Das hat im österreichischen Heer eine hundert Jahre währende Tradition. Nach der Annexion von Bosnien-Herzegowina im Jahr 1908 zählten die Bosniaken-Regimenter zu den Elitetruppen der k. k. Armee und stellten auch einen Teil der kaiserlichen Leibgarde.

In der Maria-Theresien-Kaserne im Wiener Nobelbezirk Hietzing können muslimische Rekruten ihrem Glauben uneingeschränkt ausüben. Die Kantine bietet Kost ohne Schweinefleisch an, und täglich können die Soldaten in einer eigenen Kasernenmoschee beten. Derzeit ist man sogar auf der Suche nach islamischen Militärseelsorgern.

"Mein Vater sagt: Erst das Militär macht dich zum Mann", erzählt Maqsood Lodin. Der 19-Jährige ist ebenso wie Omar Aiad Präsenzdiener beim Gardebataillon. Arabische Fernsehteams und internationale Zeitungen haben den Rekruten mit dem Rauschebart bereits interviewt. Schon Lodins Vater war beim Militär und kämpfte als afghanischer Offizier gegen die Sowjets. Als die Taliban an die Macht kamen, floh die Familie nach Österreich, das Lodin als seine Heimat sieht, die zu verteidigen er bereit ist. Aber eben mit Bart.