So überschattet das Streben, sich und ihre Getreuen an die Macht zu bringen, die vorgebliche Mission der Andrea Ypsilanti. Die Fixierung auf das eigene Milieu, das sich unter Hessens Sozialdemokraten geradezu museal erhalten hat, ist derart stark, dass sie sich nicht einmal darum gekümmert hat, den rechten Flügel ihrer eigenen Partei zu befrieden. Indem sie dem altlinken Weggefährten Hermann Scheer und nicht ihrem konservativen Widersacher Jürgen Walter das Wirtschaftsministerium angeboten hat, bootet sie auch noch den Teil der Partei aus, mit dem sich bürgerliche Wähler gerade noch so identifizieren könnten. Und gefährdet nebenbei auch ihre eigene Wahl zur Ministerpräsidentin, nachdem schon ein erster Versuch im März gescheitert war.

Die hessischen Wähler haben Anfang des Jahres ein nachhaltiges Zeichen politischer Reife gesetzt. Sie haben den bis dahin überwiegend erfolgreichen Ministerpräsidenten Roland Koch abgestraft, zum Teil wegen seiner Bildungspolitik, vor allem aber wegen seines populistischen Versuchs, einen Überfall auf einen Rentner durch zwei junge Migranten im fernen München für seine Wahlzwecke zu instrumentalisieren. Diese Wähler haben einen Neuanfang verdient, nicht aber die Winkelzüge der Andrea Ypsilanti.

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