30 Sekunden für

Mobiltelefonierer sind oft umtriebige Wesen. Die Knopf-im-Ohr-Fraktion steht für den Betrachter im Verdacht, Selbstgespräche zu führen. Dauertippende Blackberry-Besitzer rennen blindlings gegen Straßenhindernisse. Und Multitasking-Spezialisten, die gleichzeitig telefonieren, Rad fahren und vom Brötchen abbeißen, wirken wie lebende Plädoyers für die Entschleunigung. Das Handy der Zukunft wird aber wohl noch körperbetonter. Microsoft hat kürzlich einen Prototypen vorgestellt, der mit Infrarotsensoren Fingerbewegungen in einem Radius von zehn Zentimetern neben dem Gerät registriert. Künftig kann der Benutzer also mit Luftakrobatik durchs Hauptmenü klicken und scrollen. Endlich wird wildes Herumfuchteln beim Telefonieren funktional. Handybesitzer werden dann vielleicht die besseren Luftgitarristen. Möglich, dass sogar ein eigener Mobilfunktanz entsteht. Ähnlich dem durch das Internet bekannt gewordenen Jumpstyle, bei dem Jugendliche mit Twist, Sidekick und Backflip durch Diskotheken und Supermärkte hüpfen. Inspirieren könnten uns auch die Mittelmeeranrainer, die die körperunterstützte Kommunikation par excellence beherrschen. Problematisch wird es erst, wenn die hochsensiblen Handys bei ihrem gestenreichen Fluchen den Geist aufgeben. Kerstin Bund