DIE ZEIT: Kein Ökonom hat die gesetzliche Rentenversicherung so hart kritisiert wie Sie. Sie wollten bei der Altersvorsorge stärker auf Kapitalerträge setzen. Jetzt ist Finanzkrise. Gut, dass die Politik Ihrem Rat nicht gefolgt ist, oder?

Bernd Raffelhüschen: Der Ratschlag aus der Wissenschaft war nie: Lasst uns bei der Altersvorsorge allein auf Aktien vertrauen. Vor zehn Jahren beruhte die Alterssicherung im Land zu etwa 80 Prozent auf dem gesetzlichen Umlagesystem. Nur 20 Prozent der Alterseinkommen stammten aus Kapitalerträgen. Wie andere Ökonomen auch wollte ich ein Mischungsverhältnis, das langfristig eher bei 40 zu 60 liegt. Darauf steuern wir nach den vergangenen Rentenreformen auch zu.

ZEit: Und darüber freuen Sie sich immer noch?

Raffelhüschen: Unbedingt. Das Umlagesystem ist robust gegenüber Finanzmarktkrisen, aber anfällig für demografische Veränderungen. Bei Kapitalerträgen ist es umgekehrt. Um uns vor beiden Risiken zu schützen, müssen wir beide Systeme kombinieren.

ZEIT: Alterssicherung nach US-Vorbild, eine Mischung aus privatem Sparen, betrieblichen Pensionsfonds und Staatshilfen für Bedürftige, finden Sie also nicht erstrebenswert?

Raffelhüschen: Nein, es ist gut, dass wir in Deutschland nicht von einem Zustand der Überregulierung in einen Zustand der Deregulierung gewechselt sind. Das ist das US-Modell – erst viel zu viele Vorschriften, dann viel zu wenige. Heute vergisst man leicht, wie reguliert die Finanzmärkte in den USA früher waren. Deutschland schreibt dagegen genau vor, wie hoch zum Beispiel der Aktienanteil bei der Riester-Rente sein darf.

Zeit: Diese Vorschrift wollten Sie doch lockern.