Was für ein Leben! Bereits mit 16 Jahren freundet sich Lotte Kornfeld, Tochter aus gutbürgerlich-jüdischer Familie in Berlin, mit dem russischen Revolutionär Karl Radek an, der nach Beginn des Ersten Weltkriegs in die Schweiz zieht. Sie übernimmt Kurierdienste für ihn, befördert Briefe in die revolutionären Zentren der deutschen Arbeiterbewegung, auch nach Bremen, wo sie den führenden Kopf der sogenannten Linksradikalen, Johann Knief, kennen- und lieben lernt. Gemeinsam geben sie die Arbeiterpolitik heraus, das wichtigste Organ der Linken im Weltkrieg. Im April 1917 müssen sie vor dem Zugriff der Politischen Polizei fliehen; im Januar 1918 werden sie in München verhaftet. Am 9. November 1918 kommen sie frei und stürzen sich in die revolutionäre Bewegung, die gerade in Bremen hohe Wellen schlägt. Karin Kuckuck hat in mühevoller Recherche die Biografie der Lotte Kornfeld der Vergessenheit entrissen und ihr damit ein Denkmal gesetzt.

Karin Kuckuck: Im Schatten der Revolution

Lotte Kornfeld (1896–1974). Biografie einer Vergessenen; Donat Verlag, Bremen 2008; 180 S., Abb., 12,80 €

Es begann im März 1918 in Kansas/USA: Schüler erkrankten an einer bisher unbekannten Grippe. Über Truppenschiffe gelangte der Erreger nach Europa. Bald waren alle Armeen an der Westfront betroffen und schließlich viele Regionen in der ganzen Welt. Im Herbst 1918 erreichte die Pandemie ihren Höhepunkt. 300000 Tote allein im Deutschen Reich, weltweit bis zu 50 Millionen – so lautete die Bilanz der "Spanischen Grippe", so genannt, weil der spanische König als einer der Ersten erkrankte. Wilfried Witte, Historiker und Arzt in Berlin, hat die Geschichte der verheerendsten Grippeepidemie der Moderne erzählt und ist dabei auf manche Merkwürdigkeit gestoßen.

Wilfried Witte: Tollkirschen und Quarantäne

Die Geschichte der Spanischen Grippe; Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2008; 125 S., 16,90 €