Mal angenommen, die Deutschen könnten sich einen König nach Wunsch backen, dann käme er garantiert nicht aus dem Kreis jener Vertreter des Hochadels, die dem Vernehmen nach anwesend waren, als Alexander von Schönburg jüngst in Berlin sein neues Buch Alles, was Sie schon immer über Könige wissen wollten, aber nicht zu fragen wagten (Rowohlt Berlin; 270 S., 17,90 €) vorstellte. Er käme auch nicht aus dem Geschlecht der Hohenzollern. Und noch weniger käme er aus jenen Adelsfamilien, die eine innige Beziehung, sexualmoralischer oder hemdsärmliger Art, zum Kontinent Afrika pflegen. Unser König wäre weder in Regensburg noch in Hannover zu Hause. Er müsste, wie gesagt, erst gebacken werden. Denn er wäre ein Hybrid: Ein Drittel Günther Jauch. Ein Drittel Wolfgang Joop. Ein Drittel Thomas Dörflein. Dies ist symbolisch zu verstehen, da der beliebte Tierpfleger ja nicht mehr am Leben ist. Aber die Mischung käme hin. Potsdam-Glamour plus mediengemäßer Intelligenz plus altruistischer Herzensgüte. Gar nicht so übel. Nur wäre es halt ein König, der mit der Idee des Königtums nichts zu tun hat.

Der tiefere Sinn der Monarchie ist es ja gerade, dass sie sich als absolute, souveräne Einrichtung gegen das wechselnde Personal behauptet, welches sie jeweils ausfüllt. Könige werden nicht nach Wunsch gebacken. Sie kommen an die Reihe, bis der Nächste an die Reihe kommt. Deswegen käme auch der Tatort-Kommissar Peter Sodann nicht infrage, sollte er das Bundespräsidentenamt verpassen. Diese Zusammenhänge klärt Alexander von Schönburg in seinen kenntnisreichen Ausführungen zu Theorie und Geschichte der Monarchie.

Allein: Um das Paradox der gegenwärtigen Lage der Monarchie kommt der Autor nicht herum. Denn auch wenn es rundum von Schweden bis Spanien Königshäuser gibt, ist die Idee eines Königtums, das vom individuellen König getrennt zu denken ist, nun mal passé. Das weiß der Autor auch. Deswegen hat er auch ein Buch geschrieben, das auf galante Art zwischen historischem Essay und gehobenem Yellow-Press-Futter zwittert. Stilistisch ist von Schönburg, der die Kunst des luftig-leichten Parlierens schlichtweg im Blut hat, hier auf seiner Höhe. Aber letztlich ist es gerade der Charme dieses mit dem Unterton süffisanter Ironie durchweg kokettierenden Stils, der den Gegenstand des Buches ins Zwielicht bringt. Man weiß als Leser nie so genau, wie Herr von Schönburg es eigentlich meint. Macht er sich über die Royals und ihre Storys lustig? Oder zieht er in vollem Ernst den Hut vor der Langlebigkeit der Institution? Wahrscheinlich beides. Nur ist dies gerade das Problem. Vom Kern der Institution bleibt nicht allzu viel übrig, wenn die royalen Protagonisten sich mit der Ausbreitung ihrer Privatstorys allzu sehr in den Vordergrund drängen dürfen. Ein Buch übers Königtum dürfte – ganz streng genommen – keines sein, in dem Alexander von Schönburg ausplaudert, wie es war und was er erlebte, was er anhatte, was er trank, wie er um Blamagen herumkam oder mitten in sie hineingeriet, wenn er im Lauf seines Lebens hie und da bei den Höfen dieser Erde selbst zu Gast war.

Vom Stapel

Nächste Woche erscheint an dieser Stelle "Stillleben mit Buch" von Rolf Vollmann